Forschung
Nr. 43

Wo Forschung entsteht, wo Forschung bewegt

Christine Cimzar-Egger | Büro für Öffentlichkeitsarbeit

Energie und Umwelt sind zukunftsträchtige Themen und äußerst interdisziplinär, besonders im gleichnamigen Forschungsschwerpunkt der TU Wien. Ein Nachbericht zur Veranstaltung „Forschung bewegt“.

Am 19. Juni erhielten Gäste aus Industrie und Wirtschaft sowie Kolleg_innen der TU Wien einen exklusiven Einblick in Projekte des Forschungsschwerpunkts „Energie + Umwelt“. Einige Projekte konnten dabei erstmals am neu entstehenden Forschungsstandort Science Center im Arsenal besichtigt werden, wo viele der Großlabore der TU Wien ihre neue Heimstatt finden. Im Rahmen des Projekts „TU UniverCity“ wurde ein weiterer Campus geschaffen, um zukünftig optimale Rahmenbedingungen für Mitarbeiter_innen und Studierende sowie für den Wissenschaftsstandort Wien zu schaffen.

Raum schaffen für die Forschung

„Forschung bewegt – und dieses Mal haben wir uns wirklich weit bewegt: von der TU Wien am Karlsplatz zum Arsenal, um uns hier anzuschauen, wo Infrastruktur wächst, sich entwickelt und wo die TU Wien in ein bis drei Jahren sein wird“, stellt Rektorin Sabine Seidler in ihren einführenden Worten den ungewöhnlichen Veranstaltungsort vor. „Forschung hat uns nicht nur hierher bewegt, sondern auch Sie werden heute Abend bewegt. Dieses Veranstaltungsformat ist uns wichtig, weil es Sie als Kooperations-, Drittmittel- und Forschungspartner anspricht. Damit lernen Sie uns nicht nur aus Projekten, sondern auch vor Ort kennen und Sie sehen dadurch vielleicht Projekte, die in Ihrem unmittelbaren Umfeld nicht direkt am Radar sind“, erläutert Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation. „Beim Forschungsschwerpunkt, den wir Ihnen heute vorstellen, mischen wir zwei ingenieurwissenschaftliche Fakultäten zusammen: Maschinenwesen und Betriebswissenschaften sowie Bauingenieurwesen. Zusätzlich haben Sie heute das Privileg, Dinge hier vor Ort zu sehen, die viele von uns noch gar nicht gesehen haben.“

Einen ersten Überblick über den Forschungsschwerpunkt gab Dr. Gudrun Weinwurm, die als Koordinatorin des Schwerpunkts bestens über Themen und Projekte von „Energie + Umwelt“ informiert ist. Die Querschnittsthematik, die diesen Forschungsschwerpunkt ausmacht, wird beim Blick auf die Themenfelder, die beforscht werden, recht deutlich:

  • Energieaktive Gebäude, Siedlungen und räumliche Infrastrukturen
  • Nachhaltige und emissionsarme Mobilität
  • Klimaneutrale Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung
  • Umweltmonitoring und Klimaanpassung
  • Effiziente Nutzung von stofflichen Ressourcen
  • Nachhaltige Produktion und Technologien

„Die Themen, die sich im Forschungsschwerpunkt ‚Energie + Umwelt‘ wiederfinden sind auch schon deshalb interdisziplinär, da die Fragestellungen immer komplexer werden. Wenn man ein Gebäude als Beispiel nimmt, braucht man bereits mehrere Fachrichtungen für dessen Erstellung. Heutzutage ist das noch wichtiger, wenn man beispielsweise an ‚energieerzeugende Gebäude‘ denkt. Da müssen Architekten, Bauingenieure, Energietechniker und Informatiker stärker vernetzt arbeiten, um Materialien, Energieerzeugung und die Anforderungen an ein ‚intelligentes Gebäude‘ zu erfüllen“, skizziert Dr. Weinwurm die Querschnittsmaterie. Und das solche Konzepte aufgehen und erfolgreich umgesetzt werden können, hat die TU Wien am Beispiel des Plus-Energie-Bürohochhauses bereits gezeigt.

Baustellenbesichtigung der anderen Art

Wo Neues entsteht, entsteht zuerst eine Baustelle – so auch am Arsenal. Die Gäste von „Forschung bewegt“ konnten sich davon persönlich überzeugen, da sich die Projekte, zu denen sie im Laufe des Abends geführt wurden, auf einer Baustelle in unterschiedlichen Fertigstellungsgraden befanden.

Aber die Diskrepanz zwischen einem mit Wasserstoff betriebenen Auto der Zukunft, das sich im Rohbau der Magna-Halle befand, hatte auch seinen besonderen Reiz. Bei der Station des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik, dessen Team zukünftig in der Magna-Halle inklusive einiger top-moderner Fahrzeugprüfstände umfangreich forschen wird, konnten sich die Gäste über alternative Fahrzeugantriebstechnik und modernste, mobile Abgastechnik informieren. Dabei hat sich gezeigt, dass Wasserstoff-betriebene Fahrzeuge eher eine Alternative für Langstrecken und Lastenverkehr sein werden. Das vor Ort vorhandene Fahrzeug, das mit einen Messaufbau für die Abgasmessung unter „Real Drive“-Bedingungen Messdaten erhebt, verdeutlicht die Vorteile gegenüber einer Messung am Rollenprüfstand anschaulich.

„Smart Minerals“ ist der Überbegriff für mineralische Baustoffe, wie beispielsweise Beton einer ist. Dr. Stefan Krispel, Geschäftsführer der Smart Minerals GmbH, an der die TU Wien beteiligt ist, erklärte die besonderen Facetten des Themas anhand einer Präsentation und zahlreicher Objekte. Der technische Fortschritt in diesem Bereich stellt immer höhere Anforderungen an mineralische Baustoffe, was zu Fragestellungen der Forschung und Qualitätssicherung führt. Das Unternehmen fungiert dabei als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Bauwirtschaft, besonders in Hinblick auf die Themen Zement, Beton, mineralische Baustoffe und Bauweisen.

Prof. Markus Haider und sein Team vom Institut für Energietechnik und Thermodynamik zeigten im neuen Außenlabor, wie ein Projekt mit einem Prototyp zur Hochtemperatur-Wärmespeicherung aussehen kann. Die Größe des Versuchsaufbaus verdeutlicht, warum dieses Außenlabor im Arsenal seinen neuen Platz gefunden hat. Das entwickelte regenerative Energiesystem SandTHES, das Sand als Wärmespeicher verwendet und diesen in verflüssigter Form zum Wärmeaustausch nutzt, bietet eine interessante Energiespeichermethode bei vergleichsweise niedrigen Kosten.

Die moderne Produktion befasst sich mit vielen Fragestellungen, eine der zentralen ist aber wie man eine moderne Produktionsanlage ressourceneffizient gestalten kann, allen voran im Bereich Energie. Prof. Friedrich Bleicher vom Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik stellte sein Großlabor und einen entsprechenden Projektaufbau vor. Nachdem die produzierende Industrie in Österreich für ein Drittel des Gesamtenergiebedarfs des Landes verantwortlich zeichnet, ist eine energieeffiziente Produktion ein relevanter Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit geworden. Sein Team forscht entsprechend an der Entwicklung der optimalen Planung und Steuerung des Energiebedarfs in der industriellen Produktion, die anhand einer Produktionsmaschine verdeutlicht wurde.

Im Anschluss an die Gruppenführungen konnten noch vertiefende Fragen gestellt und Diskussionen im Rahmen eines gemütlichen Netzwerkens geführt werden. Der laue Sommerabend hat zum stimmungsvollen Ausklang beigetragen, bevor die Gäste via Shuttle wieder retour an den Karlsplatz gebracht wurden.

Webtipp: https://energiewelten.tuwien.ac.at 

Bilder: © Klaus Ranger

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