Menschen
Nr. 37

Warum in die Ferne, wenn das Schöne so nah!

Martin B. Atzwanger | TU Univercity

Martin B. Atzwanger vom Projekt TU Univercity stellt uns einen Teil seiner Heimat Oberösterreich vor.

Reiseprospekte locken in die Ferne, Fotos von Bekannten verführen zu einem Urlaub am Meer – und doch gibt es auch in Österreich, teilweise direkt in der Wohnumgebung, attraktive Ausflugsmöglichkeiten. Der letzte Sommer war geradezu prädestiniert dafür, nicht stundenlang verschwitzt in Warteschlangen am Flughafen zu warten, sondern das Abenteuer vor der Haustüre zu finden.

Als Oberösterreicher gibt es diesbezüglich einen Garanten für einen schönen Tagesausflug: Den Traunstein – knapp 1.700 m hoch, eine schroffe Kalkformation, direkt am östlichen Ufer des Traunsees. Seine markante Form ist weithin sichtbar, weshalb er oft als „Wächter des Salzkammergutes“ bezeichnet wird. Mit einem frühzeitigen Start – man muss mit rund 7 Stunden Gehzeit rechnen – blieb danach noch genug Zeit, für einen Badenachmittag am/im Traunsee.

Ausgangspunkt für die Besteigung des Traunsteins ist die Jausenstation Moarstidl, knapp außerhalb von Gmunden. Von hier geht es entlang einer Forststraße durch die beiden Lainauertunneln zum eigentlichen Einstieg in den Naturfreundesteig, der über den Südwestgrat zum Naturfreundehaus führt. Gleich der erste Wegabschnitt geht steil bergauf, mit Hilfe von Leitern und entlang von Seilen werden die ersten Höhenmeter überwunden. Die vielen Stufen sind anstrengend, denn die Fitness ist doch nicht so gut wie gedacht. Entschädigt wird man am ersten Rastplatz mit einem tollen Ausblick über den See.

Anschließend folgen einige versicherte Passagen und steiles Gehgelände bis zur Sulzkogelscharte. Danach kommt wieder ein anspruchsvollerer Abschnitt mit Seilsicherungen, einer langen Aluleiter und einer ausgesetzten „Schrägtreppe“ aus Steigbügeln zum „Bösen Eck“. Eine Herausforderung und Abenteuer, gerade auch für alle jungen, aber versierten Kletterfexen!

Nach Erreichen der Baumgrenze wird es, wenn man so wie wir leider etwas zu spät eingestiegen ist, heiß, und der Flüssigkeitsvorrat schnell weniger. Aber dafür entschädigt der Ausblick. Die oberösterreichischen Nordalpen präsentieren sich majestätisch in der Vormittagssonne!

Durch das bekannte Felsenfenster führt der Weg in vielen Windungen durch steilen Fels auf das Gipfelplateau. Am Ausstieg, dem sogenannten Traunkirchner Kogel (1.580 m), wartet die Naturfreunde Hütte.

Vor zwei Jahren umfassend modernisiert und erweitert hat das Haus nichts mehr mit einer „Alpenhütte“ gemein, sondern markiert die nachhaltigen Bau- und Niedrigenergieintention im alpinen Bereich (alleine schon deshalb eine Exkursion wert!). Die Terrasse, auskragend über der Südflanke des Berges, ermöglicht einen Blick auf die tolle Kulisse der nördlichen Kalkalpen und des Nationalparks Kalkalpen.

Von der Hütte erreicht man gemütlich in rund ½ bis ¾ Stunde durch Latschenfelder das Gipfelkreuz des Traunsteins: Shakehands, der obligatorische Schluck Gipfelwasser, ein paar Burschen zeigen Akrobatik und immer wieder das tolle Panorama – einmalig!

Unser Abstieg erfolgte über den Hernler-Steig (benannt nach den Gmundner Alpinisten Hans Hernler † 1933). Die Route führt von der Gmundner Hütte (zwischen Naturfreunde Haus und dem Gipfelkreuz) in einer fast senkrechten Bergfalte ins Tal, meines Erachtens fast schwieriger als der Naturfreundesteig. Entlang von Drahtseilführungen und Klammern geht’s entlang schroffer Felsformationen in Meandern ins Tal. Auch hier ist Konzentration gefragt, da manch glatter Trittstein oder Geröll leicht zur Stolperfalle werden können.

Am Nachmittag erreichen wir wieder die Forststraße. Gleich in der Nähe des Ausstieges gibt es einen kleinen öffentlichen Badeplatz. Unter schattigen Bäumen gibt es das wohlverdiente Eis oder kühle Bier. Bis zur Abenddämmerung genossen wir die Nachmittagssonne und das erfrischende Bad im klaren Traunsee

Facts

Der Traunstein und mit ihm der „Naturfreundesteig“ zählen zu den schönsten Bergwanderungen in den österreichischen Alpen. Die Route selbst ist traumhaft geführt und der Ausblick entlang der gesamten Route ein Traum.

Bergwanderung: Landschaftlich großartige Bergwanderung in der Kategorie A bis B mit Seilsicherungen, Trittstiften und Steigbügel, Leitern und nur kurzen ungesicherten Passagen des 1. Schwierigkeitsgrades.

Anfahrt: Nach Gmunden und am östlichen Ufer der Traunsteinstraße bis zur letzten Parkmöglichkeit (Jausenstation Moarstidl)

Gehzeit: Aufstieg über Naturfreundesteig: 3 – 4 Stunden, Abstieg über Hernler Steig: rund 3 Stunden

Höhenunterschied: rund 1.250 m

Organisatorisches: Möglichster frühzeitiger Start (5/6 Uhr); wegen der sonnigen Lage viel Flüssigkeit mitnehmen; möglichst schwindelfrei, einige Stellen sind ausgesetzt; durch die Beliebtheit des Berges gibt es an einige Stellen abgespeckte Trittflächen, weshalb bei Feuchtigkeit Rutschgefahr besteht; Achtung: Wetterwarnungen ernst nehmen, Gewitter kommen rasch und oftmals heftig!

Factbox: Martin B. Atzwanger

Martin B. Atzwanger ist im Team des Projektes TU Univercity und arbeitet u.a. bei der Projekt-Öffentlichkeitsarbeit mit.

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