Rundschau
Nr. 44

Von Bruegel über Austro-Pop-Geschichte bis in die Gegenwart

Doris Hotz | Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie

In unmittelbarer Nähe des Karlsplatzes gibt es mehrere Einstiegsmöglichkeiten für spannende Zeitreisen:

In der Albertina kann man mit Pieter Bruegel dem Älteren dank seines kritischen Standpunktes und seiner Liebe zum Detail eine spannende Zeitreise ins 16. Jahrhundert, das Zeitalter der Religionskriege unternehmen. In den Bildern haben die Höllengestalten von Hieronymus Bosch ihre irdischen Entsprechungen gefunden. Auf nur einem Quadratzentimeter Zeichnung sind ganze Kirmes-Gesellschaften zu entdecken, in einem einzigen Bild sind Handlungen und ihre schlimmen Folgen vereint, wie z.B. das bittere Ende eines fanatischen Alchemisten.

Täglich von 10:00 – 18:00 Uhr, Mittwoch bis 21:00 Uhr
www.albertina.at/bruegel

 

Bei „Ganz Wien. Eine Pop-Tour“ trifft man im Wien Museum auf Menschen mit verklärtem Blick und einem Lächeln auf den Lippen: Sie befinden sich via Pop-Musik auf einem Ausflug in die eigene Jugend. Auch junges Publikum findet hier Zugang zu Wiens Pop-Geschichte, die mit mehr als 40 AV- und Hörstationen sehr anschaulich dargestellt ist. Der „Gschupfte Ferdl“ ist ebenso mit von der Partie wie „Die Schmetterlinge“, Falco, Gustav oder Kruder & Dorfmeister. Wichtige Wiener Pop-Locations wie die Arena, das U4 der 1980er Jahre und das Fluc sind hier dokumentiert.

Dienstag bis Sonntag und Feiertag 10:00 – 18:00 Uhr
www.wienmuseum.at/de/aktuelle-ausstellungen
Zum Einhören: oe1.orf.at/lexikonderpopmusik

 

Ein kritischer Blick auf die Gegenwart gelingt in der Secession: Nicole Eisenmann hat sich als Malerin vor allem mit US-amerikanischer Politik auseinandergesetzt. Toni Schmale (als BC21 Art Award Preisträgerin ist sie auch in einer Ausstellung im 21er Haus vertreten) zeigt kraftvolle Metall-Objekte, bei denen Materialeigenschaften zum ästhetischen Genuss werden. Chadwick Ratanen hat die ästhetischen Vorgaben amerikanischer Pflegeinstitutionen untersucht und daraufhin eine Tapete entworfen, die keinesfalls Anstoß erregen soll, sondern eine beruhigende Atmosphäre schafft. Für Irritation in diesem Wohlfühl-Ambiente sorgen zarte kokonartige Objekte auf fragilen Trockengerüsten. Es handelt sich um die „Häute“ von speziellen antibakteriellen Kitteln, in die sich Muster und Verfärbungen von den Stoffen, auf die sie aufgebracht waren, eingeschrieben haben.
Dienstag bis Sonntag 10:00 – 18:00 Uhr
www.secession.at/ausstellungen

 

Traumartig künstliche Bilder werden auch im Akademietheater geboten. Ein Vergnügen ist es, sich auf „Die Geburtstagsfeier“, einen Klassiker von Harold Pinter in der Regie von Andrea Breth, einzulassen. Man erlebt eine herrliche Verunsicherung. Als ob man nach schwerem Schock versuchen würde, sich über das Geschehene klar zu werden. Großes subtiles Theater, das die Zuschauer_innen Raum für eigene Assoziationen lässt.
www.burgtheater.at/de/spielplan/produktionen/die-geburtstagsfeier

Foto: Chadwick Rantanen, Ward, Ausstellungsansicht, Secession 2017
© Sophie Thun

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