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Nr. 45

Väterkarenz an der TU Wien

Ewa Vesely | Vereinbarkeitsbeauftragte

Aktionstag UniKid-UniCare-Austria

Am 15. Jänner 2018 fand ein vom überuniversitären Netzwerk UniKid-UniCare Austria initiierter Aktionstag zum Thema Väterkarenz an den österreichischen Universitäten statt. Im Zentrum der Aktivitäten stand das mit der Unterstützung des BMBWF produzierte Video „Papa mit Kind zu Hause?“.

TU Wien

Ein Blick auf die Zahlen der Väterkarenzen an der TU Wien zeigt eine erfreuliche Tendenz: die Zahlen steigen deutlich. Das ist ein Grund zur Freude, denn über den Papamonat hinaus widmen immer öfters frischgebackene Väter an der TU Wien einige Monate dem Kind und übernehmen die Betreuungs- und Haushaltsarbeit. Zwischen 2010 und 2016 ist die Zahl der Väter in Karenz rasch gestiegen. Waren in der Zeit zwischen 2005 und 2008 in Summe 12 Väter in Karenz, waren es allein 2016 bereits 38.

TU Wien Rektorin Sabine Seidler dazu: „Bezogen auf unseren Personalstand sind die Zahlen zwar immer noch ernüchternd, aber es geht voran, langsam aber stetig“. Die Frage welcher Prozentsatz der frischgebackenen Väter TU-weit tatsächlich Väterkarenz beansprucht, kann nicht verlässlich beantwortet werden: Bei den Männern erfährt die Universität, dass der Mitarbeiter Vater geworden ist nur dann, wenn Papamonat oder Väterkarenz beantragt wird, wenn die Familienbeihilfe durch den Vater bezogen wird oder wenn er es freiwillig meldet.

Alexander Opitz von der TU Wien hat durch die Väterkarenz mehr Zeit für seine Kinder

Was hat Väterkarenz mit Gleichstellung zu tun?

In den vergangenen Jahren hat das Netzwerk UniKid-UniCare Austria wiederholt auf die Bedeutung der Väterkarenz für eine gleichberechtigte Elternschaft sowie ihre Bedeutung für das wissenschaftliche/berufliche Engagement von Müttern hingewiesen.

Mit dem Imagefilm und dem Aktionstag wollen Universitäten auf die Rolle des Vaters zwischen Familie und universitärer Laufbahn hinschauen und ein authentisches Bild vermitteln. Väter sollen Lust auf Elternzeit bekommen, die Unis angeregt werden, die Entwicklung der Väterkarenzen an ihrem Standort anzuschauen bzw. sich weitere positive Anreize überlegen.

Freilich sagt die Tatsache in Kinderkarenz zu sein noch wenig darüber aus, wie sich der Vater später in Familien- und Sorgearbeit einbringt. Das bedeutet keinesfalls, dass eine gleichberechtigte Elternschaft nicht möglich ist, weil ein Vater keine Kinderkarenz in Anspruch genommen hat.

Als ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Gleichstellung ist der Trend zu Väterkarenzen dennoch zu sehen.

Für das TU frei.haus nachgefragt:

Etwas anders sieht es innerhalb einer Abteilung aus – hier ist es meistens bekannt, wer gerade Vater geworden ist. Unsere Vereinbarkeitsbeauftragte, Ewa Vesely, hat für das TU frei.haus nachgefragt.

Ewa Vesely | TU Wien Vereinbarkeitsbeauftragte (EV)

Gerald Hodecek | Leiter OE Gebäude und Technik (GH)

Alexander Opitz | Forschungsgruppe Elektrochemische Energieumwandlung (AO)

Thomas Pernkopf | Abteilung Gebäude und Technik (TP)

EV: 2016 waren insgesamt 38 Väter an der TU Wie in Väterkarenz (Papamonat nicht miteingerechnet), davon nur 3 Kollegen des allgemeinen Personals. Herr Hodecek, sie leiten die OE Gebäude und Technik in der die meisten Beschäftigten dem allgemeinen Personal zuzurechnen sind. Wie sieht es in Ihrer Abteilung aus?

GH: Inzwischen wage ich zu behaupten, dass bei uns alle Mitarbeiter, die in der letzten Zeit Väter geworden sind, in Väterkarenz waren. Die drei Mitarbeiter unserer Abteilung, die 2016 Vater wurden, waren alle in Väterkarenz .  Ich habe noch sehr gut in Erinnerung, als der erste junge Vater, das war der Herr Fellner, sich nach der Möglichkeit einer Väterkarenz erkundigt hatte.

EV: Das war doch auch für Sie eine neue Situation. Wie war Ihre erste Reaktion darauf?

GH: Der erste Gedanke war, wie ersetzte ich jetzt diese Person, diese Rolle? Es war mir ganz klar, dass man dieses Vorhaben zu unterstützen hat. Aus gesellschaftspolitischen Sicht und als Motivation für die Zeit danach. Wir waren, glaube ich, die ersten im allgemeinen Personal, die eine Väterkarenz beantragen wollten. Das war eine besondere Herausforderung.  Und die weitere Frage, die sich stellte war, wie gehen wir in Zukunft mit solchen Abwesenheiten um. Wo liegt der Unterschied zu anderen Abwesenheiten und wo sind die Parallelen.

EV: Wie war es bei Ihnen Herr Opitz? Sie waren 2017 bereits das zweite mal in Karenz, richtig?

AO: Ja, das erste Mal war 2013 mit unserem ersten Sohn Felix und es war eine Zeit die ich zurückblickend sehr genossen habe. Vielleicht hatte drei Jahre später auch die romantische Verklärung der Vergangenheit schon ihre Finger im Spiel, aber ich wusste schon vor der Geburt unseres zweiten Sohnes, dass ich wieder Väterkarenz nehmen möchte.

EV: Wie lange vorher haben Sie Ihre Vorgesetzten informiert und wie wurde Ihr Vorhaben aufgenommen?

AO: Das war relativ früh – noch vor der Geburt von Benjamin im Oktober 2016. Der Hintergrund war allerdings, dass ich in dieser Zeit gerade in der Planungsphase für einen Forschungsaufenthalt am MIT war, den ich dann von Februar bis September 2017 absolviert habe. Die einzige Möglichkeit für die Väterkarenz war somit direkt im Anschluss, beginnend mit Oktober 2017. Daher ist die zweite Karenz mit „nur“ vier Monaten etwas kürzer ausgefallen als die erste. Andererseits war diese Konstellation praktisch die einzige Möglichkeit, dass meine Familie mit in die USA kommen konnte, da mein Aufenthalt am MIT zeitgleich mit der Karenz meiner Frau war. Ehrlich gesagt, ich hätte das sonst auch nicht gemacht – mich auf gut wienerisch für ein paar Monate „über die Häuser zu hauen“ und meine schwangere Frau mit Kind alleine zurückzulassen, wäre für mich nicht vorstellbar gewesen.

Um noch zum zweiten Teil der Frage zu kommen: Alle meine Vorgesetzten – Prof. Jürgen Fleig, Institutsvorstand Prof. Allmaier, wie auch Dekan Prof. Danninger – haben mein Vorhaben vom ersten Moment an positiv aufgenommen und unterstützt. Auf diesem Wege auch ein herzliches Danke!

EV: Also zusammengefasst „Einmal TU Wien – MIT – Kinderkarenz und retour“. Aber im Ernst: Prof. Thorsten Schumm erzählte im Film, die temporäre Abwesenheit in der Science Community brachte ihm einige Nachteile mit denen er jetzt zu kämpfen habe. Kannst du das auch bestätigen? Hast du versucht hier entgegen zu wirken?

AO: Ich finde das ist schwer zu sagen, weil man ja im Prinzip nicht genau weiß, wie die Karriere ohne Karenz verlaufen wäre. Natürlich merkt man, dass in der Community etwas weitergeht, während man selbst nicht voll aktiv dabei ist. Wobei ich auch denke, dass eine Community sich selbst zu hinterfragen beginnen sollte, wenn sie Bedingungen schafft die so sind, das für dass natürlichste der Welt – für seine Kinder zu sorgen – nicht mehr Zeit ist. Wenn jeder in Karenz gehen würde, dann wäre das auch automatisch kein Nachteil mehr – man könnte es auch überspitzt formulieren: Im Prinzip „erschummeln“ sich jene, die nicht in Karenz gehen, ein paar extra Monate, weil sie diese Verpflichtung an die Partnerin auslagern.

Vermutlich ist dieser Punkt auch der gravierendste Unterschied zwischen Wissenschaftlern und allgemeinem Personal, weil man gerade als Wissenschaftler nie zu 100% weg sein kann. Das fängt ja schon damit an, dass ich das Hirn nicht abschalten kann und über Dinge aus „der Arbeit“ nachdenke, einfach weil‘s Spaß macht. Die Arbeitsgruppe existiert trotzdem weiter und die Betreuung der Doktorand_innen kann nicht so einfach jemand anderer übernehmen, weil die Themen üblicherweise hoch spezialisiert sind. Dabei muss ich sagen, dass ich diesbezüglich sehr großes Glück habe, da meine Mitarbeiter_innen über ein enormes Maß an Eigenständigkeit und Eigenmotivation verfügen. Und meine Leute haben sich auch sofort daran gewöhnt, dass ich unsere Diskussionen in etwas ungewöhnlicher Sitzhaltung mit schlafendem Kind im Tragetuch führe. Glücklicherweise schlafen Kleinkinder noch deutlich mehr als Erwachsene, das verschafft einem ein paar Stunden, die man bei geschickter Planung nutzen kann.

EV: Herr Hodecek, Sie haben sich von Anfang an damit beschäftigt, wie in Zukunft mit Abwesenheiten, die nun aufgrund der Väterkarenz sein werden, umgegangen werden soll. Auch wenn diese Abwesenheit eine Führungskraft betreffen sollte. Einer Ihrer Führungskräfte, Thomas Pernkopf, kehrte kurz vor Weihnachten aus der Väterkarenz, die zwei Monate dauerte, zurück. Wie wurde diese Abwesenheit, die in eine an sich für die GUT arbeitsintensive Phase fiel, vorbereitet? Und Herr Pernkopf: Wann haben Sie Ihre Absicht in Väterkarenz zu gehen dem Vorgesetzten mitgeteilt?

TP: Bereits als wir schwanger wurden, war mir klar, dass ich einige Zeit für meine Familie brauchen werde und habe diese Absicht gleich GH mitgeteilt. Allerdings war ursprünglich  vorgesehen, dass ich im Frühjahr fehlen werde – das war wegen externen Rahmenbedingungen nicht möglich.  Ich habe dann gerade in der  besonders arbeitsintensiven Phase gefehlt.

Leider wusste ich zunächst nicht, dass die geteilte Elternkarenz ausschließlich im ersten Lebensjahr des Kindes stattfinden muss, damit die Finanzierung klappt. Ich würde mir daher eine etwas bessere Information seitens der TU Wien wünschen, bzw. bei Anfrage ein Hinweis, wo eine solche Information einzuholen ist. Oder vielleicht ein kleiner Infoflyer mit der Angabe der Ansprechstellen?

GH: Planung der Väterkarenz: Es wird schon irgendwie gehen – dieser Ansatz genügt freilich nicht. Es bedarf einer Ernsthaftigkeit  vonseiten der Vorgesetzten, des Teams  und des Mitarbeiters.

Gemeinsames planen der Arbeitsaufteilung ist wichtig. Weitere Kolleg_innen im Team müssen frühzeitig in die Planung eingebunden  werden. Es darf nicht vergessen werden, dass die Arbeit, die der sich in der Vaterkarenz befindende Kollege gemacht hat, weiterhin erledigt werden muss. Und es sind meistens die Kolleginnen und Kollegen die temporär mehr Arbeit zugeteilt bekommen, was nicht immer nur positives Feedback hervorruft. Es funktioniert aber in der Regel sehr gut.

Ich habe festgestellt, dass die Mitarbeiter, die Väterkarenz konsumieren, großen Wert auf das Kontakthalten währen der Karenz legen. Die meisten kommen einfach ab und zu, oft  mit dem Baby vorbei – wir haben einige Kinderspielsachen da – um sich mit Kolleg_innen auszutauschen und erfahren was es neues gibt etc. Es ist dann tatsächlich so, dass der zwischenmenschliche Kontakt nie wirklich unterbrochen wird, was dann den sogenannten Wiedereinstieg sehr erleichtert.

TP: Da ich auch die Funktion eines Vorgesetzten habe, habe mich dazu entschlossen währen der Väterkarenzzeit an einem Wochentag für einige Stunden (geringfügige Beschäftigung) im Büro zu sein um das Team und GH besser unterstützen zu können. Und um den Kontakt nicht ganz zu verlieren. An den anderen Tagen in der Woche war ich  für Kinderbetreuungs- und Haushaltsaufgaben zuständig, da meine Frau in dieser Zeit in den Beruf zurückgekehrt war.

Aktuell sind wir damit beschäftigt einen Betreuungsplatz für unsere Tochter zu finden, denn obwohl wir beide an der TU tätig sind und Mila bereits vor der Geburt angemeldet haben, bekommen wir 2018 keinen Platz – so lang ist die Warteliste bereits.  Wir hoffen nun auf einen Platz in der TUKS oder in einem Kindergarten in unserer Wohnnähe. Aber qualitativ gute Kinderbetreungsplätze für Kinder unter 3 Jahren sind in Wien immer noch rar.

EV: Zum Abschluss möchte ich beide Väter um einen kurzen Satz bitten, der den  jungen Väter an der TU Wien Lust auf Väterkarenz macht.

TP: Die Zeit zu Hause hat die Bindung zu meiner Tochter gefestigt und das partnerschaftliche Miteinander mit meiner Frau positiv beeinflusst.

AO: Bei meinen beiden Kindern habe ich die Väterkarenz als die Zeit erlebt, in der ich vom „Mann der in der gleichen Wohnung wohnt“ zu einer Bezugsperson für meine Kinder wurde – diese Gelegenheit hat man nicht oft, man sollte sie daher nutzen!

EV: Vielen Dank für das Gespräch und einen guten Start in das neue Jahr!

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