Forschung
Nr. 47

25. TU Forum: Universitäten und Innovation – Raum für Entwicklung schaffen

Christine Cimzar-Egger | PR und Marketing

Beim vergangenen TU Forum haben wir gemeinsam mit unseren Expert_innen am Podium diskutiert, welche Rolle Universitäten im Innovationsprozess haben und ob das auch Teil ihrer zentralen Kernaufgaben ist und sein sollte.

In der Vorstellungsrunde erklärten die Expert_innen, an welche Stelle des Innovationsprozesses sie sich selbst sehen und was für sie Innovation in Zusammenhang mit Universitäten bedeutet. Sie erzählten auch, welche Zugänge sie zum Thema Innovation als solches haben:

Birgit Hofreiter bestätigte, dass sie die Aufgabe des Innovation Incubation Center der TU Wien (i2c) darin sieht, Verwertung nachhaltig zu unterstützen. Das wird auch dadurch unterstützt, indem man einen Begegnungsraum für Wirtschaft und Universität schafft, sei es mit Veranstaltungen oder Bootcamps, wie die StartAcademy auch gerne wegen der intensiven Erfahrung bezeichnet wird.

Stefan Harasek vom Patentamt erklärte, dass Patente auch dazu dienen, eine nachhaltige Kontrolle über die jeweiligen Innovationen zu schaffen. Neben der Funktion der wirtschaftlichen Grundlage für Unternehmen, sollte man Patente aber auch als Informationsquelle sehen. Jeder kann sie einsehen und sich seine Information von dort holen.

Für Ludovit Garzik vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung entsteht Innovation aus einem bestimmten Freiraum heraus. Darin sieht er auch eine wichtige Rolle von Universitäten, da sie eben diesen Raum bieten, um das Wissen dann umzusetzen. Universitäten sind aus seiner Sicht wichtig für das regionale Innovationssystem, da es ohne Universitäten nicht funktionieren würde. Sie nehmen darin eine tragende Rolle ein: das Wissen, das dort generiert wird, beeinflusst die Menschen. Und daher ist auch die Qualität dieses Wissens so wichtig, da man ja richtigerweise von Humankapital für Unternehmen sprechen muss.

Peter Karg, Leiter des Forschungs- und Transfersupports sieht sich und seine Abteilung vorwiegend am Beginn der Innovationswertschöpfungskette angesiedelt. Diese beginnt sehr oft mit Forschungsprojekten, die sich mit Fragen der Grundlagenforschung beschäftigen. Der nächste Schritt wird gesetzt, wenn Unternehmen Interesse an dem Thema zeigen und damit in die anwendungsorientierte Forschung gehen wollen. Das kann dann bis zur Unternehmensgründung und zum Start-up gehen. Er bestätigt auch den Hinweis auf Patente als Informationsquelle für Unternehmen. Oft werden Entscheidungen, mit wem man kooperieren möchte, auch auf Basis der Information getroffen, welche Patente wofür bei welcher Universität liegen.

 Unternehmensgründung als Teil des Lehrplans?

Viel wurde über die Bedeutung der Universitäten im Innovationsprozess gesprochen. Aber wie sieht das für Universitäten im Umkehrschluss aus: Sollen wirtschaftliche Verwertung und Unternehmensgründung Teil des Lehrplans einer Universität sein?

Man kann niemandem ein Lehrangebot zu diesem Thema aufzwingen, findet Brigit Hofreiter. Aber das Angebot sollte da sein. Immerhin wird die Konkurrenz um Forschungsjobs nicht gerade weniger und Nachwuchswissenschaftler_innen sollten auch alternative Karrieremöglichkeiten aufgezeigt werden. Diese könnten genauso gut in der Unternehmensgründung liegen.

Die Einstellung zu Innovation und Unternehmensgründung hat weniger mit dem Lehrplan zu tun, es ist vielmehr eine Prägung, die sich durchs ganze Haus zieht. Wenn diese von oben mitgetragen wird, ist es eine gemeinsame Haltung. Das Wissen vermittelt zu bekommen und die Ausbildung sind nur die ersten Schritte, von dort muss man dann weitergehen. Österreich hat kein Problem mit mangelnder Innovation, allerdings ist unsere Dynamik schlechter als in anderen Ländern. Wir brauchen einfach länger für den gleichen Weg, findet Ludovit Garzik.

Die Verwertung von Forschungsergebnissen als Aufgabe einer Universität zu sehen, ist bereits ein internationaler Trend, dem wir uns nicht widersetzen können und sollten, findet Peter Karg. Man sollte ruhig zeigen können, dass all das, was an Universitäten an Forschung generiert wird, tatsächlich auch in der Gesellschaft umgesetzt wird. Die Technologien der TU Wien befinden sich oft noch in einem sehr frühen Stadium, beispielsweise bei den Technology Readiness Levels irgendwo zwischen 3 und 5, während Marktreife bei 9 wäre. Für Unternehmen bedeutet das dann, dass sie noch einiges investieren müssen, wenn sie sich für unsere Technologie entscheiden.

Erfahrung ist mindestens genauso wichtig wie Faktenwissen, findet Stefan Harasek. Es passieren beispielsweise viel leichter Fehler, wenn man nicht über die Grundregeln des geistigen Eigentums informiert ist. Aber der eigentliche Zugang zur Verwertung eines Forschungsergebnisses oder Forschungsprojekts basiert letztendlich weniger auf Faktenwissen, sondern ist eher als eine Art Fertigkeit zu sehen. Und das kann man nicht über einen Lehrplan vermitteln, sondern nur durch Erfahrungen.

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