Forschung
Nr. 46

24. TU Forum: Abfälle – Rohstoffe der Zukunft?

Florian Aigner | PR und Marketing

Unsere Rohstoffvorkommen sind nicht unerschöpflich. Wir müssen daher Wege finden, vermeintliche „Abfälle“ als wertvolle Rohstoffe zu sehen. Am  22.03.2018 wurde beim TU Forum diskutiert, wie das gelingen kann.

In der Natur gibt es keinen Abfall, sondern perfektes Recycling in natürlichen Stoffkreisläufen. Davon ist unsere Abfallwirtschaft noch weit entfernt, aber es gibt viele wissenschaftliche Bestrebungen, diesem Ziel der geschlossenen Kreisläufe möglichst nahe zu kommen. Das ist nicht durch eine spezielle Wissenschaftsdisziplin zu erreichen, sondern nur durch viele
kleine Fortschritte in vielen verschiedenen Fachbereichen – und dementsprechend war auch das Podium des 24. TU Forums am 22. März 2018 recht interdisziplinär zusammengesetzt: Der Elektrotechniker Prof. Werner Brenner, der Bauingenieur Prof. Johann Fellner und der Chemiker Prof. Florian Rudroff diskutierten, wie man aus vermeintlich wertlosem  Abfallmaterial wertvolle Rohstoffe machen kann. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Norbert Fiala.

Photovoltaik, Gebäude und Orangen

Werner Brenner untersucht am Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme der TU Wien, wie man Photovoltaik-Anlagen recyceln kann. In Photovoltaikanlagen ist eine Reihe wertvoller Substanzen enthalten – beispielsweise Silber, Indium und Silizium. Allerdings müssen diese Stoffe mit sehr hohem Reinheitsgrad wiedergewonnen werden können, damit das Recycling sinnvoll ist. Gerade bei Silizium ist es möglich, effiziente Recyclingmethoden zu entwickeln. Johann Fellner leitet das Christian Doppler Labor für Anthropogene Ressourcen. In seiner Forschungsarbeit geht es darum, ganze Gebäude oder sogar Stadtviertel als Rohstoffquelle zu betrachten. In unserer Infrastruktur sind viele wertvolle Materialien verbaut, die sich wiederverwenden lassen. An der TU Wien entwickelt man Methoden, wie man die Materialzusammensetzung von Gebäuden und Infrastruktur erfassen kann. Bei einer Renovierung oder bei einem Abbruch der Bauwerke braucht man möglichst detaillierte Information über die vorhandenen Materialien, um einen effizienten Umgang mit den Ressourcen zu  ermöglichen.

Auch Florian Rudroff findet neue Methoden, scheinbar wertlose Stoffe zu verwenden – allerdings in ganz anderem Zusammenhang: Am Institut für Angewandte Synthesechemie untersuchte man, wie man bestimmte  Bestandteile von Orangenschalen nutzbar machen kann. Sie müssen zuerst
chemisch zerlegt werden und lassen sich dann zu hochwertigen Produkten neu zusammenbauen, so kann man beispielsweise Polyester erzeugen.

Lebhafte Diskussionen

Moderiert vom Wissenschaftsvermittler Norbert Fiala entwickelte sich unter eifriger Beteiligung des Publikums eine intensive Diskussion über ganz unterschiedliche Themen – von den besonderen Herausforderungen der Abfallentsorgung in der Großstadt bis hin zu Fragen über Rechtliches und Politik.

Auch daran war zu erkennen: Das Interesse am Thema effiziente Rohstoffnutzung ist groß – aber das Gebiet ist so vielschichtig, dass eine echte Lösung nur dann möglich ist, wenn in vielen verschiedene Fachgebieten gleichzeitig geforscht wird.

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