Menschen
Nr. 37

Thematisieren statt Tabuisieren: Sexuelle Belästigung an Universitäten

Ingrid Steiner, Katharina Prinzenstein | Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen

Der diesjährige Informationsnachmittag des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen (AKG), „der uns alle zum Nachdenken und hoffentlich einem besseren Verhalten bringt“ (Rektorin Sabine Seidler bei der Eröffnung der Veranstaltung), war dem Umgang mit sexueller Belästigung an Universitäten gewidmet.

Ausgehend von Rechtsinterpretationen und Detail-Begriffen rund um die verschiedenen Aspekte sexueller Belästigung durch das Strafrecht, das Verwaltungsstrafrecht und das Zivilrecht sowie das Bundes-Gleichbehandlungsgesetz entwickelte Ass.-Prof. Dr. Mag. Katharina Beclin vom Institut für Strafrecht an der Universität Wien in ihrem Vortrag „Selbsthilfe und Rechtsinstrumente gegen sexuelle Belästigung – eine Frage von Definitionen“ die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Strategien, als Betroffene_r gegen sexuelle Belästigung vorzugehen. Dabei verwies sie explizit auf die TU-internen Regelungsmechanismen (vgl. Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen Verhalten). Dass sich betroffene Studierende außer an die Fachschaften und die HTU auch direkt an den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen bzw. die Abteilung Genderkompetenz wenden können, war vielen Studierenden – wie in der Diskussion deutlich wurde – nicht bekannt. Dazu betonte Beclin, wie wichtig Informationsarbeit und gezieltes, bewusstes Solidarisieren seien.

Dies erweiternd und ergänzend legte MMag. Volker Frey, Diversity Trainer (und ebenfalls Jurist) den Schwerpunkt seines Vortrags auf „Prävention und Verhalten bei Verdachtsfällen von sexueller Belästigung“. Er schlüsselte die Verantwortung und Optionen für das Handeln als Vorgesetzte_r bzw. Führungskraft, als Kollege_in und als (potenziell) Betroffene_r anhand der eigenen Verantwortung für ein respektvolles Arbeits- und Lernklima auf. Dabei betonte er, dass es erforderlich sei, Vorfälle durch Betroffene, Zeug_innen, Vorgesetzte und Anlaufstellen zu dokumentieren. Er plädierte für rasche, nah am Alltag angesiedelte Lösungsstrategien und verwies mehrfach auf die Notwendigkeit, mit einem „Nein!“, Grenzen zu setzen. Eigenverantwortung und Eigenhandeln der Betroffenen sollten im Vordergrund stehen.

In ihrem Vortrag „Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt“ legte Mag. Löscher-Weninger, Leiterin der Abteilung Gleichbehandlung in der Privatwirtschaft und im Bundesdienst im BM für Bildung und Frauen sowie Vorsitzende des Senates I und Stellvertretende Vorsitzende des Senates II der Bundes-Gleichbehandlungskommission (B-GBK) den Hauptteil ihrer Ausführungen auf die breite Palette der Fälle aus der Praxis des Senates I. Diese wurden zwar zumeist aus Bereichen außerhalb der Universitäten eingebracht, sind jedoch auch für diese relevant. Dabei erläuterte sie das Verfahren und die Rechtsstellung der B-GBK sowie ihrer Gutachten, die als Beweismittel von Gerichten und Dienstbehörden beachtet werden müssen.

Im Rahmen der Diskussion wurde nochmals betont, dass sexuelle Belästigung als Teil von Diskriminierungen „aufgrund des Geschlechts“ eindeutig eine Verletzung der Dienstpflichten darstellt und daher Vorsorge für ein grundlegend bedrohungsfreies Arbeits- und Lernklima zu treffen ist.

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