Menschen
Nr. 36

Tauchsafari in Ägypten

Eugenijus Kaniusas | Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering

Prof. Eugenijus Kaniusas vom Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering berichtet in dieser Ausgabe von seiner Tauchsafari in Ägypten.

Unser Tauchboot legt ab und wir verlassen den Hafen von Hurghada (Ägypten) mit dem Gebetsgesang aus einer nahegelegenen Moschee in unseren Ohren und das unendlich Blaue vor unseren Augen. Ganze sieben Tage werden wir das Land nicht mehr betreten (dürfen), dafür wird die Unterwasserwelt – bei Tag und Nacht – die unsere sein. Kurioserweise werden unsere Schuhe in einen schwarzen Müllsack verpackt und tief verstaut, sodass wir die ganze Woche barfuß an Board verbringen werden. Unsere Kajüten, die man – subjektiv gesehen – mit der Klimaanlage fast auf Null Grad abkühlen kann, sind beeindrucken geräumig. Interessanterweise muss die WC-Nische beim Duschen geflutet werden, wobei mein flüchtiger Gedanke ist, dass die Toilette auch die Dusche fluten könnte. Aber dieser Gedanke bleibt erfreulicherweise nur ein solcher.

Man schläft, taucht und isst (genau in dieser Reihfolge) – und das periodisch bis vier Mal am Tag. Ich habe beinahe das Gefühl, dass die Zeit zur geistigen Verinnerlichung der Unterwassererlebnisse von einem Tauchgang zum nächsten fast zu knapp ist …

wieder einmal ein patscherter Schwimmer unter Wasser …

Eines Tages lassen wir uns von der Wasserströmung am Riff wie von einer Geisterhand tragen, nachdem wir ein älteres Wrack besichtigt haben, welches nun im gefächerten und flackernden Streulicht immer mehr mit dem milchigen Wasser verschmilzt und uns langsam entweicht. Ich bin der Gruppenletzte. Nachdem die Schiffskonturen verschwunden sind, nehme ich unerwartet mehrere rundliche Konturen aus der Wrackrichtung wahr, die in Sekundenschnelle immer größer werden. Haie oder Delphine … ein mulmiges Gefühl lässt mich nicht los. Die spitzen und länglichen Nasen lösen es auf. Ein wildes Delphinrudel umzingelt mich, ein besonders Neugieriger nimmt seinen Platz direkt vor mir in meiner Armesreichweite und schaut mich unmittelbar und – denke ich – verschmitzt für einen längeren Moment an. Mein intensives Wedeln mit den Armen – um meiner Freude deutlich Ausdruck zu verleihen – scheint unsere Besucher (leider) nur wenig zu beeindrucken. Die allgegenwärtigen Knacklaute der Delphine sind überraschend laut, sie durchdringen und erfreuen mich unheimlich. „Was tausch(tratsch)en die denn so intensiv untereinander?“, frage ich mich insgeheim, „wieder einmal ein patscherter Schwimmer unter Wasser …“, reime ich mir sofort eine Antwort zurecht. Recht haben sie, von der Grazie und Eleganz der Schwimmzüge der Delphine sind wir, schwer beladene Gerätetaucher_innen, weit weit entfernt.

Das oftmalige Tauchen fordert leider seinen Tribut: Meine Ohren kündigen eine Außenohrentzündung an. Man füllt sich dadurch wie von der Welt abgeschnitten, dennoch versuche ich, die restliche Zeit zu genießen. Ach ja, der leckere Fisch vor dem Abflug scheint mein Leiden deutlich gemildert zu haben …

Factbox: Prof. Eugenijus Kaniusas

M_36_kaniusasEugenijus Kaniusas leitet die Arbeitsgruppe Biomedizinische Sensorik am Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering. Seine Forschungsgebiete umfassen diagnostische Systeme auf Basis multiparametrischer Sensorik. Therapeutische Ansätze zur Wundtherapie werden auf Basis elektrischer Neurostimulation entwickelt.

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