Menschen
Nr. 38

Sechs Monate am MIT

Marco Furchi | Institut für Photonik

Nicht nur die TU bekommt einen neuen Reinraum, auch auf dem MIT Campus wird fleißig daran gebaut.

Golfballgroße Hagelkörner – und das Ende September! Fünf Minuten später schien wieder die Sonne. So wechselhaft kann das Wetter in Massachusetts sein.

Wie es dieses BMW-Werksrad [nicht auf öffentlichen Straßen zu verwenden ;)] nach Cambridge schaffte, ist mir ein Rätsel.

Eine einsame Mannerschnitte am MIT Campus. Wer die da hingelegt hat, würde mich heute noch interessieren!

Marco Furchi war im Zuge seiner Forschung 6 Monate am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er berichtet für das TU|frei.haus von seiner Zeit in den USA.

Ich arbeite derzeit in der Gruppe von Prof. Thomas Müllers am Institut für Photonik an meiner Dissertation. Wir beschäftigen uns mit den optischen und elektrischen Eigenschaften von atomar dünnen Schichten. Im Laufe der letzten drei Jahre haben wir durch unsere Forschung viel Neues entdeckt. Wie so oft führten jedoch Fortschritte und Erkenntnisse auch zu neuen Fragestellungen. Ich wollte Antworten finden, aus gewohnten Arbeitsroutinen ausbrechen und einen neuen Forschungsalltag an einer anderen Universität kennenlernen. All dies führte mich in die USA, wo ich ein halbes Jahr das Massachusetts Institute of Technology (Cambridge, MA) besuchte.

Mit den Vorbereitungen für meinen Aufenthalt am MIT begann ich etwa ein Jahr vor Abreise. Die Finanzierung war nicht einfach, und die letzte Lücke wurde erst kurz vor meiner Abreise durch den Lions-Preis geschlossen. Auch die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich aus der Ferne schwierig, sodass ich für die ersten drei Wochen über airbnb bei einer Familie in Arlington unterkam. Dass aus dieser Übergangslösung sechs sehr zufriedene Monate Untermiete wurden, war ein glücklicher Zufall.

Die ersten Herausforderungen, noch bevor ich mich in den neuen Forschungsalltag stürzen konnte, waren der Weg auf die Uni und die Immatrikulation. Nach einer 10 Kilometer langer Radfahrt auf holpriger Straße war ich froh, dass mir mein Vermieter Larry ein Mountainbike und kein Rennrad ausgeliehen hatte. Der Campus des MIT ist so groß wie ein ganzer Wiener Gemeindebezirk und sich zurechtfinden war anfangs nicht einfach. In die Gruppe von Prof. Pablo Jarillo-Herrero habe ich mich schnell eingelebt und nicht nur neue Kolleg_innen, sondern bald auch neue Freund_innen gewonnen, zu denen ich noch immer regelmäßig Kontakt habe.

Die ersten Ergebnisse unserer Experimente zeigten, dass mein ursprüngliches Forschungsvorhaben in sechs Monaten nicht umsetzbar war. So beschloss ich, das Projekt zu wechseln und mich der Übertragung optischer Signale in einem Silizium-Chip zuzuwenden. Ich arbeitete mit Yaqing, einer PostDoc aus Pablos Gruppe und zwei weiteren PostDocs aus der Forschungsgruppe von Prof. Dirk Englund, Mikkel und Gabriele, zusammen. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit bereiten wir gerade für eine Publikation vor. Neben neuen Erkenntnissen während der Arbeit am Projekt habe ich insbesondere durch viele lebhafte Diskussionen mit meinen Bürokolleg_innen, allen voran Landry und Valla, viel an Wissen dazu gewonnen.

Obwohl ich den Großteil meiner Zeit an der Uni verbrachte, bot sich ab und an die Gelegenheit für Ausflüge in die Landschaft Neuenglands mit ihren schönen Stränden, Obstfarmen und kleinen Städtchen. Besonders schön fand ich die Gegend um Ipswich (gut 40 Minuten Zugfahrt von Boston in den Norden) und unseren Ausflug entlang des Mohawk Trails. In diesem Zusammenhang möchte ich noch Mathildes Blog, den ich zufälligerweise entdeckt habe, empfehlen: http://www.maathiildee.com Sie dokumentiert viele Ausflüge auf eine sehr ansprechende Weise.

Mein Fazit dieses halben Jahres in Massachusetts ist durchweg positiv. Nicht nur habe ich einen Einblick in den Forschungsalltag an einer der renommiertesten technischen Universitäten bekommen, auch die anregenden Diskussionen mit meiner Gastfamilie über Politik und Gesellschaft, das gemeinsame Kochen und natürlich lange Abende mit Landry, Valla und vielen weitern neuen Freund_innen möchte ich nicht missen!

Factbox:
38_M_reise_Portrait
Marco Mercurio Furchi arbeitet in der Gruppe von Prof. Thomas Müllers am Institut für Photonik. Er beschäftigt sich in seiner Forschung mit den optischen und elektrischen Eigenschaften von atomar dünnen Schichten.

Wer hätte das gedacht?

… und hinter mir waren noch andere Fahrradfahrer_innen. Die Anzahl an Fahrradpendler_innen hat mich sehr überrascht.

Ausflug auf eine Apfelfarm mit meinen französischen Freund_innen.

Ausflug mit meiner Gastfamilie zum „Walden Pond” – einem sehr netten See im Norden von Boston.

Schreibe einen Kommentar