Forschung
Nr. 34

Sauberes Wasser für Wien

Florian Aigner | Büro für Öffentlichkeitsarbeit

Im Interuniversitären Kooperationszentrum „Water and Health“ forschen TU Wien und MedUni Wien gemeinsam daran, die hohe Qualität des Wiener Trinkwassers für die Zukunft zu sichern.

Was anderswo mühsam in Flaschen nach Hause geschleppt werden muss, kommt in Wien einfach aus der Wasserleitung: Gesundes, sauberes Wasser. Das liegt nicht nur an den Hochquellleitungen, die das Wasser aus hunderte Kilometer entfernten Quellgebieten nach Wien liefern, sondern ganz maßgeblich am aktiven Qualitätsmanagement der Karstquellwässer, zu deren Optimierung die wissenschaftliche Forschung ganz wesentlich beiträgt.
Die TU Wien und die Medizinische Universität Wien arbeiten im „Interuniversity Cooperation Centre for Water and Health“ (ICC Water and Health) gemeinsam daran, die Wasserqualität der Karstquellen und deren Einflussfaktoren präzise zu analysieren und vor allem zu verstehen. Seit Jahren werden im Auftrag von Wiener Wasser Untersuchungen durchgeführt. Die Forschungsprojekte sind äußerst interdisziplinär. Sie reichen von der Hydrologie und Modellierung über die molekularbiologische Analytik bis hin zur Desinfektionstechnologie und der Ökologie gesundheitsrelevanter Mikroorganismen.

Von der Quelle bis ins Wasserglas
„Unsere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit dem Wasser vom Einzugsgebiet der Quelle bis hin zum Wasserhahn“, sagt Andreas Farnleitner, Leiter des ICC Water & Health seitens der TU Wien. Der erste Schritt zum hochqualitativen Trinkwasser ist der optimale Schutz der Quellgebiete.

Eine Herausforderung können fäkale Spureneinträge ins Quellgebiet darstellen. Seit mehr als einem Jahrhundert sucht man daher nach Methoden, die die Herkunft solcher mikrobiologischer Einträge im Quellbereich identifizieren können.

An der TU Wien wurden nun moderne Analysetechniken auf Basis spezifischer DNA-Sequenznachweise von bestimmten Bakterien  für diese Fragestellung entwickelt. Diese neuen Verfahren sind mittlerweile sehr zuverlässig und geben vor allem Auskunft über die Herkunft fäkaler Spureneinträge.

Die „Wasser-Schaltzentrale“
Doch auch wenn die Einzugsgebiete der Quellen konsequent geschützt werden, garantiert das noch keine optimale Wasserqualität. So kann es etwa geschehen, dass im Karstgebirge bei starkem Regenfall große Wassermengen sehr rasch durch das Gestein gespült werden, ohne dabei ausreichend gefiltert zu werden. „Nur wenn das Wasser langsam durch die feinen Poren des Gesteins sickert, ist ein ausreichender Reinigungseffekt garantiert“, erklärt Andreas Farnleitner. Die Herausforderung ist, die Wässer der verschiedenen Quellen nur dann zu nutzen, wenn sie exzellente Qualität aufweisen.

Dieses Optimierungsproblem lässt sich heute mit moderner Technik elegant lösen. Aus welchen Quellen das Wiener Wasser ursprünglich stammt, kann nämlich jederzeit auf Knopfdruck geändert werden. „Physikalisch-chemische Sensoren erheben Daten über die Wasserqualität beinahe in Echtzeit und senden diese an eine Steuerzentrale“, erklärt Andreas Farnleitner. Wenn man feststellt, dass die Qualität einer bestimmten Quelle gerade nicht zufriedenstellend ist, wird das dortige Rohwasser nicht verwendet und verbleibt in der Region. Stattdessen wird das Rohwasser anderer Quellen gewonnen und nach Wien transportiert. Für eine optimale Rohwasserqualität ist diese Form von Quellbewirtschaftung ganz entscheidend.

Nach dem Schutz der Quellgebiete und der Quellbewirtschaftung ist die Aufbereitung und Desinfektion des Trinkwassers der dritte Schritt der Qualitätssicherungskette. „Wenn die ersten beiden Schritte stimmen, ist im Bereich der Aufbereitung und Desinfektion nicht mehr viel zu tun und das Wasser kann daher fast naturbelassen getrunken werden“, sagt Farnleitner. „Deshalb schmeckt das Wiener Wasser auch nicht nach Chlor, im Gegensatz zum Wasser in vielen anderen großen Städten.“

Wasser und Bakterien
Klares Trinkwasser ist aber nicht dasselbe wie völlig „steriles“ Wasser. Bestimmte Mikroorganismen stören nicht – im Gegenteil sie sind „Inhaltsstoffe“ des natürlichen Wassers und sind nicht nur hygienisch völlig unbedenklich, sondern sogar erwünscht. „Das sind genau die Bakterien, die im Gebirge das Wasser reinigen, wenn es durchs Gestein sickert“, erklärt Farnleitner. Ihnen haben wir zu verdanken, dass wir überhaupt sauberes Quellwasser bekommen. Außerdem helfen sie auch später noch mit, das Wasser „biostabil“ zu halten, weil sie Nährstoffe aus dem Wasser entfernen und dadurch verhindern, dass sich unerwünschte Mikroorganismen vermehren können.

Interdisziplinäre Wasserforschung
Auf Seite der Technischen Universität Wien sind der Forschungsbereich „Umweltmikrobiologie und Molekulare Ökologie“ unter Leitung von Andreas Farnleitner (Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der Fakultät für Technische Chemie) und der Forschungsbereich „Hydrologie und Modellierung“ unter Leitung von Alfred Paul Blaschke (Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie der Fakultät für Bauingenieurwesen) beteiligt. Auf Seite der Medizinischen Universität Wien ist die am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie angesiedelte Abteilung Wasserhygiene unter der Leitung von Regina Sommer und der Forschungsbereich „Ökologie gesundheitsrelevanter Mikroorganismen“ unter der Leitung von Alexander Kirschner Teil des Zentrums. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung der beteiligten Forschungsbereiche kann das Gebiet Wasserqualität und Gesundheit optimal abgedeckt werden. Eng verbunden ist das ICC Water & Health auch mit dem FWF DKplus Doktoratskolleg „Water Resource Systems“, geleitet von Günter Blöschl, und der Gruppe von Robert Mach (AG Gene Technology). Im Bereich der Karsthydrologie besteht darüber hinaus eine enge Kooperation zu Hermann Stadler (Joanneum Research).

„Unsere Projekte verbinden also einerseits die TU Wien und die MedUni Wien miteinander – und andererseits unterschiedliche Arbeitsgruppen innerhalb des Hauses“, betont Andreas Farnleitner. „Das ist auch ganz besonders wichtig – da ein so komplexes, vielschichtiges Thema wie die Reinhaltung unseres Wassers von einer Arbeitsgruppe alleine nicht abgedeckt werden könnte.“ Man braucht also verstärkt wissenschaftliche Zusammenarbeit über die Fachgrenzen hinweg, damit aus Wiens Wasserhähnen auch in Zukunft das herauskommt, was wir uns wünschen: Klares, sauberes und bekömmliches Wasser in bester Qualität.

Weitere Informationen unter: www.waterandhealth.at


Bild: © Günter Havlena | Pixelio.de

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