Menschen
Nr. 45

Die Insel der Götter

Nicole Schipani | Fachbereich Forschungsmarketing

„Wenn mich das Fernweh wieder packt, folge ich dem Ratschlag des Dalai Lama: ‚Gehe einmal im Jahr irgendwohin, wo du noch nie warst.‘ Mein Ziel: Bali.“

Ob Backpacker, frisch Verliebte, Abenteuerlustige oder Erholungssuchende – sie alle zieht es auf der Suche nach dem Paradies irgendwann einmal nach Bali. Hier kann man in fremde Kulturen eintauchen, offen für Neues sein, etwas Verrücktes erleben, eine Welt entdecken, die ganz anders als Europa scheint. Für die einen ist Bali das perfekte Urlaubsziel mit karibisch angehauchten Stränden. Die anderen reizt hingegen die Ursprünglichkeit der Insel: Tempel, Reis-Terrassen, Urwald. Ich wollte beides erleben.

Tausend Tempel für die Götter in 7 Tagen

Bali wird oft als die „Insel der Götter“ oder die „Insel der tausend Tempel“ bezeichnet. Nicht ohne Grund, denn Religion und Tradition spielen im Leben der Bewohner_innen eine große Rolle. Über diese Traditionen und den Glauben „stolperte“ ich täglich im wahrsten Sinn des Wortes: Überall auf meiner Rundreise fand ich kleine Opfergaben an die Götter – auf der Straße, mitten am Gehsteig, am Strand, im Tempel.

Start meiner Rundreise war Ubud, eine Stadt inmitten malerischer Reis-Terrassen. Hier ist der Besuch eines traditionellen Marktes im Zentrum Pflicht. Man entdeckt jegliche Art an exotischen Früchten und traditionellen handwerklichen Erzeugnisse – Handeln ist hier ein Muss! So einzigartig dieses bunte Markttreiben ist, so laut ist es auch. Umso erholsamer und faszinierender ist danach der Besuch einer Vorführung des Barong Tanzes, der den immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse symbolisiert. Richtig zur Ruhe komme ich aber erst bei der Goa Gajah Elefantenhöhle, die erste von vielen Tempelanlagen meiner Reise. Sie diente vor langer Zeit Brahmanen-Priestern und Asketen als Meditationsplatz. Nicht weit von dort befindet sich das Steinrelief Yeh Puluh aus dem 15. Jahrhundert, idyllisch an den Reisfeldern gelegen.

Wenn man eine Rundreise macht, hat man meist einen sehr straffen Zeitplan – nicht so auf Bali. Hier gehen die Uhren langsamer. Ich habe auf der Fahrt in die Bergregion des nördlichen Zentralbalis die Gelegenheit, die wunderschöne Landschaft, den Urwald, die unendlich weiten Reis-Terrassen und die Kaffee- und Kakaoplantagen zu genießen und komplett den Alltag hinter mir zu lassen. Beim Bergdorf Bedugul an den Ufern des Bratan Sees, einem mit Süßwasser gefüllten Vulkankrater, liegt direkt am Seeufer der Wassertempel Pura Ulun. In der Nähe liegt das Bergdorf Munduk, wo sich eine kleine Wanderung zum Wasserfall von Munduk anbietet. Der Weg ist nicht weit, aber die hohe Luftfeuchtigkeit macht ihn beschwerlich. Der Wasserfall entschädigt aber für die kleine Strapaze.

Bali ist die einzige Region außerhalb Indiens, Nepals und Mauritius mit einer hinduistischen Bevölkerungsmehrheit. Der Islam, das Christentum und der Buddhismus sind aber auch vertreten. Eines der wenigen buddhistischen Kloster ist Vihara Buddha – ein Besuch, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Nach der Besichtigung der mystischen Tempelanlage Pura Beji im Küstenort Sangsit geht es über Bergketten mit faszinierenden, ständig wechselnden Landschaftsbildern zum Dorf Kintamani, das sich am Kraterrand des Vulkans Penulisan befindet. Vom Rand des Riesenkraters (12 km Durchmesser) bietet sich ein fantastischer Blick auf den noch tätigen Vulkan Batur mit dem Beinamen Gunung Lebah („der Berg, der in der Tiefe liegt“). Danach geht es zur größten Tempelanlage der Insel: Pura Besakih – mit 40 Tempeltürmchen und laut Guide „über 1.000 Stufen in den Himmel“ (es werden wohl etwas weniger sein ;-)). Oben angekommen hat man einen herrlichen Blick auf den majestätisch wirkenden Vulkan Gunung Agung.

Am letzten Tag der Rundreise tauche ich tief in die balinesische Geschichte ein und besuche das Bali Aga-Ureinwohner-Dorf Tenganan. Hierbei handelt es sich um die wahrscheinlich erste menschliche Ansiedelung auf Bali. Die Bewohner_innen leben sehr traditionell in wunderschönen Steinhäusern. Doch auch hier macht sich der Tourismus breit: Man kann überall kleine Andenken kaufen. Ich habe dennoch das Gefühl, etwas vom ursprünglichen einfachen und doch sehr schönen Leben der Balines_innen erfahren zu haben. Der letzte Stopp ist die Stadt Klungkung mit der historischen Gerichtshalle Kerta Gosa, in der Richter einer früheren Epoche ihre Urteile verkündeten. Kunstvoll gestaltete Deckenmalereien stellen die Urteilsvollstreckungen dar.

Entspannung im Paradies

Bei einer Rundreise ist es natürlich unmöglich Land und Leute komplett kennenzulernen, aber man bekommt einen kleinen Einblick und jede Menge Eindrücke. Um diese zu verarbeiten, empfiehlt sich ein längerer Abstecher nach Südbali. Dort findet man weiße Sandstrände und glasklares Meer – ein Paradies für Sonnenanbeter_innen, Meerlieberhaber_innen, Surfer_innen und Sandstrandspaziergänger_innen. Ich genieße die letzten Tage auf Bali in Jimbaran in einem kleinen Hotel, in dem man seine Nachbar_innen kennt und das Personal Zeit zum Plaudern hat. Jimbaran ist bekannt für seine Sonnenuntergänge. Diese sind kitschig-schön, allerdings muss man sich den Strand mit hunderten Schaulustigen teilen. Aber der Anblick ist es allemal wert.

Kulinarisch wird man in Bali verwöhnt – wenn man sich die Mühe macht und nicht im Hotel isst und touristische Empfehlungen auslässt. Die balinesische Küche ist sehr abwechslungsreich mit vielen Meeresfrüchten. Allerdings ist sie auch sehr scharf. Hier empfehle ich heißes Wasser – das neutralisiert die Schärfe.

Wissenswertes über Bali

Bali gehört zu Indonesien und liegt im Indischen Ozean. Die Hauptstadt ist Denpasar im Süden der Insel. Dort befindet sich auch der internationale Flughafen. Die Landessprache ist Balinesisch, allerdings ist aufgrund des Touristenbooms der letzten Jahrzehnte Englisch ebenfalls sehr verbreitet. Gepaart mit ein paar Kenntnisse in Holländisch und Französisch kommt man perfekt durch die Reise. Die Währung auf Bali ist der indonesische Rupiah. Auf Bali herrscht ein tropisch warmes Klima mit durchschnittlichen Temperaturen von 30 Grad. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober. In den Monaten November bis März herrscht die Regenzeit.

Nicole Schipani

… ist seit September 2017 im Fachbereich Forschungsmarketing der Abteilung FTI Support (Forschung, Technologie, Innovation) tätig. Sie kümmert sich um die Gestaltung von Materialien für PR und Social Media sowie organisatorische Aufgaben rund um Messeauftritte der TU Wien.

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