Lehre
Nr. 51

Psychische Beeinträchtigungen von Studierenden

Louisa Holub | Personalentwicklung & Catherina Purrucker | Vizerektorat Studium und Lehre

 

Aktuelle Zahlen zeigen, dass Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken bei jungen Menschen in den letzten Jahren stark zugenommen haben.

Allein zwischen den Jahren 2005 bis 2016 ist der Anteil der 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Diagnosen um 38 Prozent und jener mit Depressionen um 76 Prozent gestiegen. Laut Barmer-Arztreport 2018 ist bei Studierenden inzwischen mehr als jede_r sechste Studierende, also 17 %, von einem psychischen Problem betroffen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass psychische Probleme und Erkrankungen bei Studierenden längst kein Minderheiten-Phänomen mehr darstellen, sondern ein ernsthaftes Problem sind, mit dem sich auch die Universität auseinanderzusetzen muss.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen und Studierende über Unterstützungsangebote zu informieren, aber auch Lehrenden Hilfestellung im Umgang mit Studierenden mit psychischen Beeinträchtigungen zu geben, veranstaltete das Vizerektorat Studium und Lehre gemeinsam mit dem TU Diversity Management eine Veranstaltungsreihe zum Thema psychische Beeinträchtigungen von Studierenden.

Podiumsdiskussion für Studierende:

„Ängste, Sorgen, Stress und Druck
– Studieren mit psychischen Problemen an der TU“

Die Podiumsdiskussion am 14. November bildete den Auftakt. Am Podium saßen Marlene Fuhrmann-Ehn (Behindertenbeauftragte der TU Wien), Mag. Dr. Jasmin Gründling-Riener (Leiterin der Studienabteilung der TU Wien), Ing. Dr. Gottfried Großbointner (Psychologische Beratungsstelle für Studierende) und Arash Zargamy (Referat für Barrierefreiheit der HTU).

Thema waren zunächst die häufigsten psychischen Beeinträchtigungen von Studierenden wie Prüfungsangst, Existenz- und Zukunftssorgen, Depression und soziale Isolation sowie studienspezifische Rahmenbedingungen, welche das Auftreten psychischer Probleme auslösen bzw. verstärken können. Anschließend wurden mögliche Unterstützungsangebote wie z. B. modifizierte Prüfungsmodalitäten sowie interne und externe Anlaufstellen besprochen.

Das Interesse der Studierenden an der Veranstaltung bestätigte, dass die Auseinandersetzung der TU Wien mit dem Thema wichtig ist. Der Raum war mit 60 Personen bis auf den letzten Platz gefüllt und bei der anschließenden Publikumsdiskussion wurden über eine Stunde lang auf anonym gestellte Fragen der Studierenden durch die Podiumsgäste sowie VR Matyas eingegangen.

Stressfaktoren und psychische Beschwerden

  Studierende mit Beeinträchtigung Studierende ohne Beeinträchtigung
Mindestens ein Stressfaktor genannt 70 % 45 %
Schwierigkeiten, Studium selbst zu organisieren 22 % 16 %
Arbeits- und Konzentrationsschwierigkeiten 38 % 21 %
Stressbedingte gesundheitliche Beschwerden 49% 17 %
Fehlende Studienmotivation 31 % 23 %
Mindestens eine psychische Beschwerde genannt 66 % 38 %
Mangelndes Selbstwertgefühl 32 % 14 %
Depressive Stimmungen 40 % 14 %
Kontaktschwierigkeiten, soziale Isolation 23 % 11 %
Existenzängste 38 % 17 %
Versagensängste/ Prüfungsangst 38 % 21 %

 

Kontakt bei Rückfragen

TU Diversity Management

louisa.holub@tuwien.ac.at

Anlaufstellen für Studierende und/oder Lehrende

Behindertenbeauftragte der TU Wien

Ansprechstelle für Studierende mit Behinderung und Studierende mit chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie für Lehrende, die im Rahmen ihrer Lehre auf behinderte oder chronisch kranke Studierende treffen
E maria.fuhrmann-ehn@tuwien.ac.at

HTU – Referat für Barrierefreiheit

E barrierefrei@htu.at

Psychologische Studierendenberatung Wien – nachgeordnete Dienstelle des BM Bildung, Wissenschaft und Forschung

Anlaufstelle für Studierende aller Wiener Hochschulen
T +43-1-402-3091
E psychologische.studierendenberatung@univie.ac.at
www.studentenberatung.at

 Podiumsdiskussion für Lehrende:

„Information und Handlungsempfehlung für Lehrende im Umgang mit Studierenden mit psychischen Beeinträchtigungen“

Der Einladung zur Veranstaltung am 19. November folgten rund 35 Lehrende aller Fakultäten. Im Zentrum stand vor allem die Frage, woran Lehrende mögliche psychische Probleme oder Erkrankungen bei Studierenden erkennen können und wie damit umgegangen werden soll. Dr. Karin Hiltgartner, selbst Lehrende an der TU Wien und bereits erfahren im Umgang mit betroffenen Studierenden, berichtete, jeweils zu Vorlesungsbeginn auf Unterstützungsangebote wie geänderte Prüfungsmodalitäten hinzuweisen und gegebenenfalls nach individuellen Lösungen zu suchen, betonte aber auch, dass „die Grenze als Lehrende_r dort erreicht ist, wo Studierende offensichtlich intensivere fachliche Unterstützung durch eine_n Psycholog_in benötigen.“ In diesem Fall, so Ing. Dr. Großbointner, können Lehrende auf die psychologische Studierendenberatung verweisen. Mag. Fuhrmann-Ehn, Behindertenbeauftragte der TU Wien, versteht sich nicht nur als Anlaufstelle für betroffene Studierende, sondern auch für Lehrende, die sie speziell bei Fragen zu geänderten Prüfungsmodalitäten gerne unterstützt.

Die TU Wien wird sich auch weiterhin mit dem Thema beschäftigen. Die Anliegen bzw. Fragestellungen, die bei beiden Veranstaltungen angesprochen wurden, werden nun TU-intern aufgenommen und mögliche Unterstützungsmaßnahmen für Studierende und Lehrende erarbeitet.

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