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Nr. 46

Pflegende Angehörige: Mehr als ich kann…

Christiane Miksch | Supervisorin und Psychologin

Foto: Pixabay

Unter dem Leitsatz „Mehr als ich kann“ bietet das Vereinbarkeitsbüro TU Kids & Care in regelmäßigen Abständen für Mitarbeiter_innen der TU Wien Netzwerktreffen für pflegende Angehörige an. Folgender Artikel von Frau Mag.a Christiane Miksch (Coach der Netzwerktreffen, Supervisorin und Psychologin) möchte auf das Tabu-Thema Pflege aufmerksam machen, das immer mehr Menschen betrifft.

Ein nahestehender Mensch, ein Elternteil, Ihr_e Lebenspartner_in, ist erkrankt und benötigt Hilfe. Vermutlich verbindet Sie eine gemeinsame Geschichte mit entsprechenden Höhen und Tiefen. Sie empfinden es daher als selbstverständlich zu helfen und zu pflegen. Gleichzeitig tragen Sie aber auch die Verantwortung für Ihr eigenes Leben, Ihren Beruf, Ihre Partnerschaft und auch für Ihre Kinder.

Die Pflege eines nahestehenden Menschen ist eine große Herausforderung und wahrscheinlich stellt diese neue Situation Ihr bisheriges Leben auf den Kopf. Phasenweise erleben Sie die neue Aufgabe als erfüllend und bemerken daher auch nicht, wie sich schleichend Überforderung einstellt.

Im Unterschied zu professionellen Pflegekräften, die eine schützende Distanz einhalten, verbindet Sie eine emotionelle Beziehung mit dem_der Pflegebedürftigen. Zusätzlich war vielleicht das frühere Verhältnis zum_zur Erkrankten nicht gänzlich konfliktfrei.

Während professionelle Pflegekräfte feste Arbeits- und Erholungszeiten haben, müssen Sie den Spagat zwischen der Pflege und den Anforderungen Ihres eigenen Lebens meistern.

Viele pflegende Angehörige unterschätzen die seelische Herausforderung, die die Pflege eines_einer ihnen Nahestehenden mit sich bringt. Manchmal kommen Gefühle wie Trauer, Schuld, Verzweiflung, Wut aber auch Scham auf.

Erlauben Sie sich manchmal ungeduldig zu reagieren oder mit Überforderung zu kämpfen! Je besser Sie Ihre Gefühle akzeptieren, desto eher bewältigen Sie diese herausfordernde Situation. Gemeinsame Rituale mit dem_der Pflegbedürftigen (Fernsehen, Spielen, Lesen,…) tragen zusätzlich zur Erleichterung und Entspannung bei.

Vielen pflegenden Angehörigen bleibt wenig Zeit für andere Menschen. Sie fühlen sich isoliert und sehnen sich nach liebevoller Zuwendung und Aufmerksamkeit.

Halten Sie weiterhin Kontakt mit vertrauten Menschen! Manchmal reicht auch schon ein Telefongespräch oder eine E-Mail.

Die Pflege eines_einer Angehörigen kann sehr bereichernd und erfüllend sein, vorausgesetzt Sie akzeptieren Ihre Grenzen, sprechen möglichst offen über Ihre Bedürfnisse und Gefühle, nehmen Hilfe an und gönnen sich Auszeiten.

Nutzen Sie die Chance zum Austausch mit Kolleg_innen, die sich ähnlichen Herausforderungen stellen müssen. Auch innerhalb der Kolleg_innenschaft gibt es solche. Die TU Wien möchte hier durch das Pflegende-Angehörigen-Netzwerke einen entsprechenden Beitrag leisten.

Die nächste Veranstaltung findet am Donnerstag, 17. Mai 2018 von 14:00 bis 16:30 Uhr statt. Weitere Infos finden Sie unter:
http://unikid-unicare.tuwien.ac.at/tu_kids_care/pflegende_angehoerige/
Eine Anmeldung im TISS ist möglich aber nicht notwendig. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Kontakt: TU Kids & Care, Vereinbarkeitsbüro, vereinbarkeit@tuwien.ac.at

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