Menschen
Nr. 40

Malaysia: Von Zibetkatzen bis zur Stinkerfrucht

Ille C. Gebeshuber | Institut für Angewandte Physik

TU Wien rocks @ Petronas Twin Towers. Die Doppeltürme sind das Wahrzeichen des modernen Kuala Lumpur. Sie haben 88 benutzbare Stockwerke. Die Besucherbrücke im 36. Stock ist nur sichtbar, wenn man ganz nahe ist, so hoch sind die Gebäude im Zentrum.

Ille C. Gebeshuber, Professorin am Institut für Angewandte Physik, nimmt uns nach Malaysia mit und sorgt mit Insidertipps dafür, dass man das Land nicht nur touristisch kennenlernt.

Malaysia ist ein tropisches Land am Äquator, mit hoher Luftfeuchtigkeit und erfreulicher Vielfalt. Die Hauptstadt Kuala Lumpur ist eine vibrierende Metropole mit Millionen Einwohner_innen und allen Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation. Wenige Stunden entfernt finden sich alte unberührte Regenwälder, in denen man Tiger, Malayenbären, Zwergelefanten, Tapire und Zibetkatzen treffen kann.

Im Land leben Malay_innen, Inder_innen, Chines_innen und sehr vereinzelt Europäer_innen. Jeder höchste Feiertag der verschiedenen Religionen wird gefeiert, die Menschen haben frei und besuchen einander: Zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan laden muslimische Malaye-innen Gäste zu sich ins Haus (auch Fremde sind willkommen!) und bekochen sie. An Deepavali kann man indisches Essen kosten, zum chinesischen Neujahr gibt es Spezialitäten aus dem Land der Mitte, und zu Weihnachten kochen die Christ_innen auf. Wir haben sieben Jahre in Malaysia gelebt und gearbeitet. Oft vergingen Tage, in denen ich kein weißes Gesicht sah.

Der Regenwald ist fremd und sehr schön, in der Nacht viel mehr noch als am Tage. Die Gibbons singen, die Zikaden zirpen und der Weg bei einer Nachtwanderung ist bedeckt mit Diamanten, die in allen Farben funkeln. Bei näherer Betrachtung stellten sie sich als Reflektoren in den Augen kleiner nachtaktiver Jagdspinnen heraus, die das Licht über Hunderte von Metern direktional zurückwerfen. An den Flussufern sammeln sich oft Schwärme von Glühwürmchen, die mit der Zeit ihr Leuchten synchronisieren, und ganze Büsche hell aufleuchten und dann wieder dunkel werden lassen. Leider verwenden einige Touristenführer_innen künstliche Lichtsignale, um die Tiere zum Boot zu locken, mit dem Resultat, dass Abertausende dieser kleinen Wunder ins Wasser fallen und sich nicht fortpflanzen können.

Ein weiterer Ausflug führte uns tief ins Innere von Borneo. Mit einer kleinen Maschine landeten wir an einem Flugfeld nahe der Grenze zu Indonesien. Die Ankunfts- und Abflughalle war derselbe Raum und alle Anwesenden (Fluggäste und Personal) hießen uns mit einem Handschlag willkommen! Hölzerne Langboote brachten uns den gesamten Baramfluss hinunter. Wir waren eine Woche unterwegs. Unsere Gastgeber der ersten Nacht waren Animisten, ehemalige Kopfjäger. Sie wirkten wild und stolz. Und unser Respekt vor den Männern wuchs, als wir erfuhren, dass noch vor nicht allzu langer Zeit ein halbwegs anständiger junger Mann die Köpfe von mindestens zwei Feinden bringen musste, um von den jungen Damen seines Stammes als Ehemann in Betracht gezogen zu werden. Das Haus der Einheimischen war durchaus beeindruckend. Ein hölzernes Langhaus, Hunderte von Metern lang, im tiefsten Dschungel. Wir saßen mit dem Schamanen ein wenig flussaufwärts im Geisterhaus – Holzstatuen mit wildem Blick betrachteten uns und ein Beutel mit Menschenknochen und Edelsteinen hing an einem Pfosten. Wir tanzten den Adlertanz und tranken Reiswein. Hier, tief im Herzen von Borneo, leben die Menschen noch völlig im Einklang mit dem Wald und bekommen alles von ihm, was sie brauchen. Die nächsten Tage näherten wir uns langsam wieder der Zivilisation. Die Häuser und Leute veränderten sich graduell, Beton ersetzte Holz und schlussendlich saßen wir in Miri im modernistischen Petroleum Club, genossen Margeritas und betrachteten den Wellengang des Südchinesischen Meeres.

Reisen durch Malaysia sind garniert mit Begegnungen mit netten Leuten, die einem ein Lächeln schenken. Auch einfach so, im Vorübergehen oder Vorbeifahren. Malaysia ist ein freundliches Land!

Insidertipps:

  • Wasserfälle besuchen! Sie sind immer sehr gut ausgeschildert, meist durch einen kurzen Spazierweg durch den Dschungel einfach von der Straße aus zu erreichen, und sie bieten wunderbare Abkühlung bei der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit. Badesachen und Sarong (schönes buntes Tuch zum Umbinden, Abtrocknen, als Rock, zum sich dahinter Umziehen etc. – Männer wie Frauen haben ihn immer mit dabei, wenn es in den Regenwald geht) mitnehmen.
  • Fraser Hill – ein wunderschönes kühles Hochlandgebiet, mit unberührtem Dschungel und vielen tropischen Vögeln und großen Katzen (ja, auch manchmal ein Tiger). Unterkunft im Ye Olde Smokehouse (noch von den Engländern J), als Dschungelguide Mr. Durai buchen: +60 13 983 1633.
  • Sarawak Laksa essen, am besten auf Borneo, in Kuching, anlässlich des Rainforest World Music Festivals. Unterkunft: In einem der vielen verschiedenen Holzhäusern (zusammengetragen von allen Völkern Malaysias) im Sarawak Cultural Village.
  • Nachhaltig gewonnenes Adlerholz kaufen im Arabian Oud Shop im Suria KLCC, und danach auf ein Kilkenny Bier in Chinoz at the Park gehen, direkt bei den Petronas Towers.
  • Bei Reita Rahim von Gerai OA von den Eingeborenen handgemachte Geschenke kaufen (http://www.hati.my/orang-asli/gerai-oa/). Der gesamte Erlös geht an die Künstler_innen.
  • Durian essen, die Stinkerfrucht, die magisch gut schmeckt – nur für Mutige.
  • Mangosteen essen, die Königin der Früchte, auch für weniger Mutige.

Factbox:

40_reise_ille_gebeshuberIlle C. Gebeshuber ist Professorin am Institut für Angewandte Physik  der TU Wien. Sie ist einer der gefragtesten Expert_innen im Bereich der Bionik und Nanotechnologie. Die Steirerin studierte Physik und habilitierte sich in Experimentalphysik. Nach einigen Jahren als Leiterin der strategischen Forschung des österreichischen Kompetenzzentrums für Tribologie in Wiener Neustadt lehrte sie von 2009 bis 2015 an der National University of Malaysia, wo sie sich im Dschungel Inspiration für Anwendungen der Technik holte. Seit 2016 ist sie wieder zurück in Österreich, um ihre Forschung an der TU Wien fortzusetzen.

Bilder: © Ille C. Gebeshuber

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