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Nr. 43

„Maison Zwieback“: Auf Spurensuche im TU-Archiv

Nicole Schipani | Büro für Öffentlichkeitsarbeit
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Alexandra Wieser, Katalin Zsigmondy, Paulus Ebner, August Zirner

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Alexandra Wieser, Katalin Zsigmondy, August Zirner, Juliane Mikoletzky, Paulus Ebner

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Katalin Zsigmondy, August Zirner, Juliane Mikoletzky

Die Ausstellung „Kauft bei Juden“ des Jüdischen Museum Wien widmet sich der vergessenen Geschichte der Wiener Kauf- und Kaffeehauskultur. Der Schauspieler August Zirner, Enkel der exzentrischen Besitzerin des Kauf- und Kaffeehauses Zwieback, Ella Zirner-Zwieback, war auf Spurensuche im TU-Archiv.

Auch in der Donaumonarchie gab es legendäre Warenhäuser – vergleichbar mit Harrods oder Printemps. Die Häuser jüdischer Kaufmannsdynastien wie die der Familien Rothberger oder Zirner-Zwieback prägten das Wiener Stadtbild vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Angehörigen dieser Familien wurden jedoch von den Nazis vertrieben oder in der Shoah ermordet. Das Jüdische Museum Wien widmet dieser Epoche nun eine eigene Ausstellung: „Kauft bei Juden“
Keines dieser großen Kaufhäuser – mit Ausnahme des Gerngross – existiert heute noch. Nach dem „Anschluss“ wurden die Unternehmen arisiert, was auch nach dem Zweiten Weltkrieg nur teilweise rückgängig gemacht wurde. „Die Restitution fiel mager aus“, betont Museumsdirektorin Danielle Spera unter Verweis auf die Familie Zirner oder die Familie Rothberger.

Die „Maison Zwieback“ – das „pariserischste“ aller Wiener Kaufhäuser

Die Maison Zwieback galt in den 1910er und 20er-Jahren als das „pariserischste“ aller Wiener Warenhäuser. Ella Zirner-Zwieback, stets von einem Hauch Skandal umweht, brachte in elegantem Rahmen an der Kärntner Straße den letzten modischen Schrei und „Pariser Chic“ nach Wien. „Sie war ihr eigenes Mannequin. Und war eine kühne Geschäftsfrau“, erzählt ihr Enkel, der Schauspieler August Zirner. Diesem Inbegriff von Chic wurde 1922 ein erschreckend visionäres Denkmal gesetzt: Hugo Bettauer sagte in seinem Roman „Die Stadt ohne Juden“ Ella Zirner-Zwiebacks Vertreibung voraus – und das Ende der mondänen Kaufhaus-Kultur. Ella Zirner-Zwieback führte neben dem Warenhaus auch ein Kaffeehaus.

Um 1910 gestaltete der Architekt Friedrich Ohmann die Innenräume und die Eingangszone mit dem Geschäftsportal von Maison Zwieback. Ab dem zweiten Erdgeschoß wurde es mit einem dreiachsigen Eck-Erker ausgestattet. Das Gebäude gliederte sich in Verkaufsräume (Souterrain, Erdgeschoß, erstes und zweites Obergeschoß), Büros, Werkstätten und die Wohnung des Maschinisten in den oberen Geschossen sowie Depots und ein Maschinenhaus im Souterrain. Eine Büste des Firmengründers war an der Haupttreppe angebracht.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 an Hitler-Deutschland wurde Zirner jedoch zur Aufgabe der Konzession gezwungen und ihre gesamte Liegenschaft „arisiert”. Sie verließ 1938 Wien und lebte bis zu ihrem Tod in Amerika. Nach dem Krieg klagten Ella Zirner-Zwieback und ihr Sohn Ludwig auf Restitution. 1951 erhielten sie zwar das Geschäft in der Kärntner Straße zurück, nicht jedoch das restliche Eigentum. Das Geschäft verkaufte sie 1957.

August Zirner und Katalin Zsigmondy: Spurensuche im TU-Archiv

Friedrich Ohmann hatte 1877/78 bis 1882/83 u.a. an der damaligen TH Wien studiert und war hier auch als Assistent von Karl König (Lehrkanzel für Baukunst) tätig. Teile seines Nachlasses befinden sich im Universitätsarchiv der TU Wien.

Daher besuchte August Zirner gemeinsam mit seiner Frau Katalin Zsigmondy im Zuge der Ausstellung im Jüdischen Museum Wien das Universitätsarchiv der TU Wien, um sich die dort vorhandenen Unterlagen, Korrespondenzen und vor allem hervorragende Fotografien betreffend die Ausstattung der „Maison Zwieback“ anzusehen.

Bilder: © Thomas Györik, TU-Universitätsarchiv

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