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Nr. 34

Anekdota: Luis Trenker (1892-1990) – Architekt, Regisseur, TV-Star

Paulus Ebner | Universitätsarchiv

Luis Trenker (1892-1990)

Die knorrige Erscheinung, das wettergegerbte Gesicht, der fernsehtauglich zelebrierte Südtiroler Dialekt – so wurde Luis Trenker, dessen Todestag sich am 12. April zum 25. Mal jährte, ab den 1960er Jahren im deutschsprachigen Raum zum Fernsehstar.

Trenker hatte bereits zwei Karrieren hinter sich, bevor er vom Fernsehen entdeckt wurde. 1912 begann er an der TH in Wien ein Architekturstudium, wechselte aber nach einem Jahr und der Ablegung einiger Prüfungen an die TH Graz. Nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst nahm er 1918 sein Studium an der TH in Wien wieder auf, wechselte bald neuerlich nach Graz und legte dort im Juni 1923 die II. Staatsprüfung ab. Danach arbeitete Trenker zunächst in einer Ateliergemeinschaft mit seinem Jugendfreund Clemens Holzmeister als Architekt in Bozen. Gemeinsam planten die beiden Wohn- und Tourismusbauten. Die schwierige politische Lage nach der Machtergreifung der Faschisten in Italien und die ersten Erfolge Trenkers als Schauspieler in Bergfilmen unter der Regie von Arnold Fanck und an der Seite von Leni Riefenstahl beendeten die intensive Zusammenarbeit.

Zu Beginn der Tonfilmzeit gelang Trenker zusätzlich zu seinen schauspielerischen Aktivitäten der Wechsel in das Regiefach. Mit Filmen wie „Der Rebell“ (1932, Regie gemeinsam mit Kurt Bernhardt) erregte er das Interesse und die Sympathie der Nationalsozialisten. So konnte er nach der Machtübernahme der NSDAP seine Karriere unter besseren Bedingungen fortsetzen. Insbesondere „Der verlorene Sohn“ (1934), teilweise in New York gedreht, ist visuell außergewöhnlich und lässt in vielen Einstellungen den gelernten Architekten Trenker erkennen. Trenker drehte zwar keine eindeutigen Propagandafilme, die ideologische Grundierung seiner Filme (Patriotismus, Heroismus, Antiurbanismus) passte aber zum nationalsozialistischen Weltbild.

Einen Knick erlebte diese Karriere 1939/40: In der Frage der Südtirol-Option – die Südtiroler konnten 1939 entscheiden, ob sie im faschistischen Italien bleiben und ihre deutschsprachige Kultur aufgeben oder in ein vom Deutschen Reich erobertes Gebiet (Galizien, Krim, Burgund etc.) auswandern wollten – hielt er sich mit klaren Aussagen zurück und zog sich damit den Hass von Propagandaminister Goebbels zu. Schon in seiner Studienzeit hatte Trenker klare nationale Zuordnungen vermieden. Das zeigt der Umstand, dass er bei der Erstinskription an der TH in Wien 1912 unter Muttersprache „Ladinisch“, bei der Zweitinskription 1918 „Deutsch“ angegeben hatte. Ob Trenkers Haltung in der Optionsfrage, wie von ihm nach 1945 behauptet, eine Widerstandshandlung gewesen ist, sei dahingestellt.

Trenkers Nachkriegsfilme konnten nicht mehr an die Erfolge der Produktionen aus den 1930er Jahren anschließen. Interessant ist jedoch „Flucht in die Dolomiten“ (1956) wegen der Mitwirkung des jungen Pier Paolo Pasolini als Drehbuchautor. Wenig später begann die dritte Karriere des Südtirolers beim Fernsehen: Mit Serien wie „Berge und Geschichten“ (1970-1972) wurden Trenkers Image und Erzähltalent perfekt ausgenützt.


Bild: © ÖNB/Wien Bildarchiv NB 525.835-B

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