Forschung
Nr. 42

Land am Strome

Florian Aigner | Büro für Öffentlichkeitsarbeit
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Die Donau spielt eine große Rolle für Österreich – und für die Forschung an der TU Wien.

Es ist die heimliche Bundeshymne Österreichs: Der Donauwalzer feiert seinen 150. Geburtstag, 1867 wurde das Werk „An der schönen blauen Donau“ im Wiener Volksgarten erstmals aufgeführt. Besonders schön und blau ist die Donau freilich nicht immer, aber trotzdem ist ihre Wasserqualität zumindest im österreichischen Flussabschnitt gut. Damit das auch in Zukunft so bleibt, braucht man wissenschaftliche Forschung – und zwar in unterschiedlichen Disziplinen. In der Forschung der TU Wien spielt der größte Strom des Landes eine wichtige Rolle.

Die Donau sauber halten

Matthias Zessner gehört zum Forschungsteam am Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirtschaft, das sich seit Jahren mit der Wasserqualität der Donau beschäftigt. „Was hier bei uns in die Donau gelangt, hat nicht nur einen Einfluss auf den Fluss selbst“, erklärt Zessner. „Man muss auch bedenken, dass die Donau ein sehr wichtiger Transportpfad von Stoffen ins Schwarze Meer ist.“

Speziell der Bereich im Westen des Schwarzen Meeres ist ökologisch sensibel, sein Zustand hängt stark von der Sauberkeit der Donau ab. Stickstoff und Phosphor gelangen ständig in die Donau –durch das Abwasser städtischer Ballungsräume und die Landwirtschaft. Bis in die 80er Jahre hat das oft große Probleme mit sich gebracht: Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor führten im Meer zu übermäßigem Algenwachstum.

Doch seither hat sich viel geändert: „Einerseits wurden in Osteuropa nach dem Ende des Kommunismus viele große Landwirtschaftsbetriebe stillgelegt, sodass weniger Dünger ausgebracht wurde“, sagt Zessner. „Andererseits wurden die Kläranlagen immer besser. Während man sich anfangs auf die organisch abbaubare Substanz konzentrierte, werden in modernen Kläranlagen auch Stickstoff und Phosphor großteils entfernt.“ Auch die Umstellung auf phosphatfreie Waschmittel hat die Qualität des Donauwassers – und somit des Wassers im Schwarzen Meer – deutlich verbessert.

Gerade in Wien wurde in der Abwasserbehandlung viel geleistet worden: Die Wiener Hauptkläranlage gilt als Vorzeigebetrieb. Auch an diesem Thema forscht die TU Wien intensiv: Im Labor von Prof. Jörg Krampe wurde eine Modellkläranlage eingerichtet, in der man verschiedene Prozesse auf kleiner Skala genau untersuchen und verbessern kann. Gleichzeitig soll die Energieeffizienz der Kläranlage weiter verbessert werden: Anstatt den Klärschlamm zu verbrennen, wird in einer Faulanlage wertvolles Methangas gewonnen, aus dem dann sauberer Strom erzeugt werden kann.

Hochwasserforschung

Doch nicht nur die Wasserqualität bietet interessante Forschungsthemen: Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, die Entwicklung von Hochwasserereignissen genau im Auge zu behalten – das ist das Spezialgebiet von Prof. Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie.

Hochwasserkatastrophen versucht man schon lange in mathematische Formeln zu gießen. Wenn man etwa die statistische Verteilung vergangener Hochwasserereignisse studiert, stellt man fest, dass sie nicht in zufälligen Abständen auftreten. Es gibt jahrzehntelange Phasen mit hoher Hochwasserhäufigkeit, dazwischen gibt es ruhigere Zeiten.

Nicht nur die Kräfte der Natur lassen sich mathematisch beschreiben, auch die Reaktion der Gesellschaft auf solche Ereignisse versucht man an der TU Wien mit Formeln zu erklären. „In unserem Modell berücksichtigen wir, dass unterschiedliche Gesellschaften unterschiedlich mit Hochwasser umgehen“, sagt Blöschl. Eine technisierte Gesellschaft reagiert eher mit der Errichtung von Dämmen und Deichen. In einer „grünen“ Gesellschaft, die nicht in die Natur eingreift, wandert die Bevölkerung stattdessen nach einem Hochwasser eher in sicherere Gebiete ab.

Blick nach vorn und Blick zurück

Auf ganz andere Weise beschäftigt man sich am Institut für Managementwissenschaften mit Österreichs größtem Fluss: Sandra Stein untersucht dort, wie man bessere Rahmenbedingungen für den Schiffsverkehr auf der Donau schaffen kann. Gütertransport von der Straße auf den Fluss zu verlagern, soll helfen den CO2-Ausstoß zu senken.

Doch nicht nur der Blick in die Zukunft der Donau ist interessant. Wer sich für die Geschichte der Donau interessiert, kann im Krahuletz-Museum in Eggenburg den historischen Verlauf des Flusses nachverfolgen: Vor 20 Millionen Jahren war das heutige Weinviertel vom „Eggenburger Meer“ bedeckt, vor 10 Millionen Jahren floss die Urdonau durch das Weinviertel über Hollabrunn und mündete in der Gegend des heutigen Mistelbach in den „Pannonen-See“. Am Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie wurden Daten aus geologischen Karten digitalisiert, am Institut für Fertigungstechnik wurden daraus 3D-Modelle erstellt. Diese sind nun in Eggenburg zu bewundern.

Bild: © Martin Ellinger | OneMoment.at

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