Rundschau
Nr. 43

kulTUr: Sommer im Leopold- und Naturhistorischem Museum

Doris Hotz | Institut für Diskrete Mathematik und Geometrie

Endlich ist er da – der Sommer. Die einen hält es nicht mehr drinnen, sie wollen raus, am besten aufs Land, andere suchen gerne in der Stadt gekühlte Innenräume auf, z. B. Museen.

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Allen, die das Freihaus durch dessen Haupteingang betreten, ist mindestens schon eine Arbeit von Avramidis bekannt.

Im Leopoldmuseum gibt es derzeit eine große Werkschau des Bildhauers Joannis Avramis (1922-2016). Sie umfasst Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen aus den Jahren 1948 bis 2006 und beginnt schon im Hof des Museumsquartiers mit einer „Humanitassäule“. Die hier gestapelten Menschen-Module entstanden aufgrund strenger Gestaltungsregeln, deren Ausarbeitung in verschiedenen Konstruktionszeichnungen dokumentiert ist. „Für mich ist das Studium der Natur ein Kampf zwischen einem abbildhaften Vorgang (was man eigentlich Naturstudium nennt) und einem abstrahierenden Prozess: Der ist für mich das schlechthin ‚Schöpferische‘ … Es ist das Bemühen, die natürlichen Gegebenheiten durch eine Idee umzusetzen, denn die Idee ist erst die Grundlage für den Abstraktionsvorgang“, sagte Avramidis 1985 über seinen Arbeiten. Immer wieder bezieht er sich in seinen Werken auf die Polis – lange geplant war eine Art Tempel. In der Ausstellung wandelt man durch verschiedene Werkgruppen: Köpfe, Figurengruppen, die auf einer Kreisform beruhen, Baum-Mensch-Formen und Band-Figuren kann man umwandern und vergleichen. Die monumentale Figurenansammlung im letzten Raum der Ausstellung ist besonders beeindruckend.

Details zur Ausstellung

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Im Hof des Museumsquartiers weist die 1993-96 entstandene „Humanitassäule“ auf die Joannis Avramidis Ausstellung hin.

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Detail: Hl. Hieronymus mit dem Löwen, 1515, Lucas Cranach der Ältere, Leihgeber: KHM Wien, Gemäldegalerie

Mehr Leichtigkeit hat die Ausstellung „Katzenkorb und Löwengrube – Natur und Kunst von Cranach bis Klimt“ im Naturhistorischen Museum (NHM). Sie lebt von der Vielfalt, die sich aus der Zusammenstellung von hauptsächlich katzenähnlichen Tierdarstellungen in allen möglichen Funktionen, quer durch die Welt und die Jahrhunderte ergibt. Schon am Treppenaufgang findet sich ein Hinweis in Form einer Installation mit einem ausgestopften Kätzchen; zur eigentlichen Ausstellung muss man in den 2. Stock weitergehen. Für Podeste und Raumteiler wurden die von Baustellen bekannten Holzspanplatten benutzt, die mit ihrer Grobheit in einem interessanten Kontrast zu den zum Teil sehr fragilen Objekten stehen. Vor dem eigentlichen Ausstellungsraum gibt eine Assemblage aus springendem Löwen-Präparat und weiteren Löwendarstellungen die Richtung zum Eingang vor.
Ausgestopfte Tiere ist man im NHM gewohnt; die meisten Besucher kommen derentwegen. Ungewohnt ist die Koppelung der Präparate mit anderen Tierdarstellungen: Der typische Löwenkopf-Türklopfer, Trink- und Schankgefäße, alle möglichen Verzierungen in Löwenform; Löwen als Herrschafts- oder Heiligensymbole, als Symbole auf Stern- und auf Landkarten; als reißende Tiere und als friedliche Paradiesbewohner, als Jungtiere und als alte oder tote; aus ganz unterschiedlichen Materialien, geprägt auf Münzen, gezeichnet, gemalt, geformt; als schleichende, rennende oder ruhende Großkatzen. Erläutert werden die Exponate in einem Leseheft, das man in der Ausstellung benutzt und dann wieder abgibt. Auch Kinder haben, obwohl die Exponate nicht in Kinderhöhe angebracht sind, mit ihren Eltern ihren Spaß bei dieser Ausstellung.

Details zur Ausstellung

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