Forschung
Nr. 50

Das Klima braucht mehr Forschung

Florian Aigner | PR und Marketing

Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, brauchen wir wissenschaftliche Fortschritte auf vielen verschiedenen Gebieten. Die TU Wien arbeitet daran.

Fast alles was wir tun, hat irgendwie mit dem Klima zu tun: Wie wir wohnen und heizen, wie wir kochen und essen, was wir kaufen und verbrauchen. Ähnliches gilt für die Forschung: Forschungsgebiete aus ganz unterschiedlichen Richtungen können etwas zur Lösung des Klimaproblems beitragen – von Geo-Monitoring, um den aktuellen Stand der Klimaveränderung besser zu verstehen, über Ingenieurswissenschaften, die klimafreundlichere Technologien entwickeln, bis hin zu den Rechtswissenschaften, die sich mit dem effektiven Umsetzen von Klimaregeln befassen. An der TU Wien spielt das Thema Klimawandel im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Energie und Umwelt“ eine große Rolle.

Problem erkennen

Um überhaupt vorhersagen zu können, wie sich das Klima entwickeln wird, braucht man nicht nur Temperaturdaten aus der ganzen Welt, man muss auch andere wichtige Parameter erfassen, etwa die Feuchtigkeit des Bodens. Das Team von Prof. Wolfgang Wagner vom Department für Geodäsie und Geoinformation verwendet dafür Satellitendaten: Mit Mikrowellen aus dem Weltraum wird der gesamte Globus abgetastet.

Wie stark diese Wellen von der Erdoberfläche zum Satelliten zurückreflektiert werden, hängt unter anderem vom lokalen Pflanzenbewuchs und von der Bodenfeuchte ab. Der Zusammenhang ist kompliziert, er lässt sich nur auf Basis umfangreicher Datenanalysen feststellen. Über Jahre wurden Satellitendaten gesammelt und aufbereitet, somit steht nun an der TU Wien Datenmaterial zur Verfügung, das die Berechnung der Bodenfeuchte auf Basis von Satellitendaten mit großer Genauigkeit ermöglicht.

Aus der Bodenfeuchte lässt sich dann auf die Wahrscheinlichkeit von Dürreperioden oder Hochwasserkatastrophen schließen. Als international angesehener Spezialist für Hochwasser gilt Prof. Günter Blöschl vom Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie. Er entwickelt Modelle, mit denen sich die Auswirkungen zahlreicher Einflussfaktoren auf die Hochwassergefahr mathematisch beschreiben lassen. Zu diesen Einflussfaktoren zählen nicht nur Niederschlag oder Vegetation, sondern auch der Mensch selbst: Menschliches Verhalten verändert die Natur und Naturveränderungen rufen wiederum anderes menschliches Verhalten hervor. Auch solche Kreisläufe lassen sich mathematisch beschreiben, wie Günter Blöschl zeigen konnte.

Lösungen entwickeln

Das Klima zu versehen ist wichtig, aber es löst noch keine Probleme. Daher beschäftigen sich viele Forschungsprojekte an der TU Wien mit der Frage, wie man CO2-Emissionen reduzieren und klimafreundliche Technologien entwickeln kann. Dazu zählen etwa höchst erfolgreiche Experimente mit Biomasseverbrennung am Institut für Verfahrenstechnik. Durch spezielle Verbrennungstechniken lässt sich CO2 abscheiden. Auch durch klügere Verkehrsplanung lässt sich CO2 einsparen, durch bessere Motoren oder durch umweltbewusste Architektur und Stadtplanung – alles Forschungsbereiche, in denen die TU Wien Erfolg vorzuweisen hat.

Lösungen umsetzen

Doch selbst wenn kluge Lösungen zur Verfügung stehen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich angewandt werden. Hier spielen Politik und Recht eine entscheidende Rolle. Die Juristin Karin Hiltgartner vom Institut für Raumplanung untersucht, inwieweit Klimaklagen Aussicht auf Erfolg haben. Schließlich wurde die Verpflichtung zum Klimaschutz in internationalen Abkommen festgeschrieben.

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