Forschung
Nr. 46

Keine Angst vorm Roboter

Florian Aigner | PR und Marketing

Bild: Pixabay

Künstliche Intelligenz wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen – aber anders, als wir das aus Science-Fiction-Filmen kennen.

Von „künstlicher Intelligenz“ ist heute oft die Rede – und rasch fallen uns dann bedrohliche Szenen aus Science-Fiction-Filmen ein, in dystopischen Zukunftswelten, bevölkert von denkenden, fühlenden und oft auch gewalttätigen Roboterwesen. Kann man in Zukunft Menschen und Maschinen überhaupt noch voneinander unterscheiden?

Ja. Daran besteht kein Zweifel. Künstliche Intelligenz ist zweifellos eines der entscheidenden Technologie-Themen unserer Zeit, und an der TU Wien wird mit ganz unterschiedlichen Ansätzen daran geforscht. Doch dabei geht es nicht darum, menschenartige Roboterwesen zu erschaffen. Das Ziel ist vielmehr, Computercodes zu generieren, die nicht starr und unflexibel sind, sondern sich auf unterschiedlichste Situationen einstellen können und effizient mit uns Menschen zusammenarbeiten.

Flexiblere Maschinen

Bisher waren wir daran gewöhnt, dass Maschinen exakt dasselbe Verhalten zeigen, wenn sie in exakt derselben Situation sind. Wir können so oft wir wollen dieselben Zahlen am Taschenrechner addieren, das Ergebnis wird immer dasselbe sein. Auch der Küchenmixer, die Waschmaschine und das Computerprogramm, mit dem wir unsere Texte layouten, benehmen sich normalerweise immer gleich. Genau diese starre Reproduzierbarkeit kommt uns in den Sinn, wenn wir Wörter wie „maschinenhaft“ oder „roboterartig“ hören.

Doch in Zukunft wird das ganz anders sein. Maschinen werden für uns schwerer einschätzbar, aber dafür viel flexibler. Das Navigationsgerät schlägt morgen vielleicht einen anderen Weg vor als heute, weil es inzwischen Neuigkeiten über Verkehrsstaus gelernt hat. Der digitale Terminassistent am Handy erinnert uns vielleicht diesmal etwas früher an die bevorstehende Besprechung, weil er erkannt hat, dass wir beim letzten Mal ein bisschen zu spät gekommen sind.

Intelligenz durch bessere Datennutzung

Möglich wird das, indem die unüberblickbare Menge an verfügbaren Daten besser genutzt wird. Allan Hanbury, Stiftungsprofessor für Data Intelligence an der TU Wien, forscht daran, wie man große Datenmengen am besten aufbereitet, aus ihnen neue Erkenntnisse gewinnt und für die Industrie nutzbar macht. So gibt es etwa derzeit große Fortschritte mit Computerprogrammen, die Texte automatisiert untersuchen und sie bis zu einem gewissen Grad „verstehen“ können. Das hilft zum Beispiel bei der Suche nach themenrelevanten Textstellen in medizinischen Publikationen oder bei der Suche nach Patenten.

Wissen, das bloß auf einer Festplatte gespeichert ist, hat mit Intelligenz noch nichts zu tun. Entscheidend ist, dem Wissen eine Struktur zu geben – eine Bedeutung, die entsteht, indem man es mit anderem Wissen verknüpft. Einer gewöhnlichen Datenbank ist es völlig egal, ob die Wörter in Spalte 3 Namen oder Orte sind. Ein intelligentes Programm weiß, dass diese beiden Kategorien ganz unterschiedliche Bedeutung haben und behandelt sie unterschiedlich. Das Programm setzt Inhalte in Beziehung, erkennt Strukturen, und kann vielleicht sogar fehlende Information aus bekannten Daten erschließen.

Bei solchen Aufgaben können neue Ideen aus dem Bereich der Logik helfen. Die klassische Logik kennt bloß wahre und falsche Aussagen. Das Gegenteil einer wahren Aussage ist falsch und umgekehrt. Diese Herangehensweise ist oft sehr nützlich – aber manchmal muss man flexibler sein. „Wir Menschen schaffen es, mit widersprüchlicher oder unvollständiger Information umzugehen, das ist unsere große Stärke“, meint Stefan Woltran, der sich mit den Logik-Grundlagen künstlicher Intelligenz beschäftigt. Mit speziellen Erweiterungen der klassischen Logik kann man Computerprogramme entwickeln, die menschenähnlicher vorgehen, die Fehler erlauben und die trotz lückenhafter Information einigermaßen sinnvolle Lösungen liefern, anstatt bloß eine Fehlermeldung anzuzeigen.

Industrie 4.0

Bis wir mit intelligenten Computern normale Gespräche führen können, wird wohl noch einige Zeit vergehen, aber in der Industrie zeichnet sich bereits jetzt eine Revolution ab, die unsere Arbeitswelt drastisch verändern wird. Dieser digitale Wandel in der Industrie ist an der TU Wien ein wichtiges Forschungsthema – etwa an der neu eingerichteten Pilotfabrik, oder auch in der Forschungsarbeit von Prof. Sebastian Schlund, der im März seine Antrittsvorlesung hielt.

„Unser Ziel ist die intelligente Vernetzung von Menschen, Maschinen und Objekten“, sagt Sebastian Schlund. „Dafür brauchen wir neue Werkzeuge. Genauso wie es heute ganz normal ist, zu einem Schraubenschlüssel zu greifen wird es in Zukunft ganz normal sein, mit einem digitalen Assistenten zusammenzuarbeiten – egal ob als Software auf einem Tablet, in Form eines intelligenten Roboterarms oder in einer ganz anderen Form, die es heute vielleicht noch gar nicht gibt.“

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