Lehre
Nr. 45

Gute Lehre ist kein Zufall

Martina Schönerklee | Herbert Kreuzeder

Wie Hochschuldidaktik die Kunst der Lehre unterstützt.

Gute Lehre ist kein Zufallsprodukt und wird von der Universitätsleitung als essentiell angesehen. Deshalb bietet die TU Wien ihren Lehrenden seit 2010 die Möglichkeit, sich hochschuldidaktisch weiterzubilden, um den Wissenstransfer an Studierende und an den wissenschaftlichen Nachwuchs zu perfektionieren. Die Priorität des Themas drückt sich auch durch die Verankerung in den Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium aus.

Breite Angebotspalette

Die Palette an hochschuldidaktischen Angeboten reicht von Veranstaltungen, wie dem beliebten „Tag der Lehre“, über interessante Workshops im Rahmen von focus:lehre, bis zu zielgruppengenauen Angeboten, um auf spezifische Bedürfnisse einzugehen. Maßgeschneiderte Veranstaltungen für Studienkommissionen oder die Qualifizierung von Tutor_innen in einer Lehrveranstaltung sind nur zwei Beispiele. Ergänzt wird das umfangreiche Angebot durch eine elektronisch verfügbare, qualitätsgeprüfte Material- und Methodensammlung. Die Palette wird laufend weiterentwickelt. So führt auch zu einem Ausbau des Portfolios, so besteht seit Jahresbeginn die Möglichkeit, hochschuldidaktische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Neu: Hochschuldidaktische Lehrberatung

Da sich nicht alle Themen für Gruppenworkshops eignen, bietet die TU Wien ihren Lehrenden hochschuldidaktische Fachberatung an. Dieses Format unterstützt Lehrende  individuell, um spezifische Fragen und Problemstellungen aus der Praxis zu reflektieren und Lösungsansätze zu erarbeiten. Punktgenaues Feedback soll neue Impulse liefern. Lehrende erhalten Hilfestellung bei der Überarbeitung von Lehrveranstaltungen und können die Konzepte für neue Lehrveranstaltungen mit einem/einer Expert_in besprechen. Weitere mögliche Themen sind Methoden zur Aktivierung der Studierenden, der Umgang mit unterschiedlichen Vorbildungen, Wege zur Förderung nachhaltigen Lernens oder der Umgang mit kritischem studentischen Feedback. Es besteht auch die Möglichkeit, den/die Berater_in in die eigene Lehrveranstaltung einzuladen oder ein Review von Lehr- oder Prüfungsunterlagen anzufordern.

Im Idealfall ergeben sich daraus viele Vorteile: neue Methoden für die Lehre, ein zielgerichteter Ressourceneinsatz, ein verbessertes Lehr- und Lern-Klima, mehr Abwechslung in der Lehrtätigkeit und zu guter Letzt die Qualitätssicherung der Lehre.

Weitere Informationen finden Sie hier online.

Man muss nicht jeden Fehler selbst machen – Erfahrungsaustausch als Chance

2017 wurden auf Initiative des Vizerektors für Studium und Lehre, Kurt Matyas, erstmals die Best Teaching Awards vergeben. Im Oktober 2017 fand ein Erfahrungsaustausch mit den Preisträger_innen statt, um herauszufinden, was ausgezeichnete Lehre ausmacht. Anhand der Berichte aus der Lehrpraxis der „Best Teachers“ wurde versucht, Gemeinsamkeiten zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Patentlösung? Leider nein.

Die Diskussion zeigte, dass es keine Patentlösung für „gute Lehre“ gibt. Vielmehr muss die Art der Lehrgestaltung und Wissensvermittlung in erster Linie zum Lehrenden passen, um authentisch zu wirken.  Fachliche Kompetenz und die Beherrschung des Fachs sind dafür natürlich Grundvoraussetzungen.

Unterschiedliche Zugänge – gemeinsame Grundsätze

Die von den „Best Teachers“ verwendeten Zugänge und Methoden sind sehr unterschiedlich: Während einige auf traditionelle Methoden und Kreidetafel zurückgreifen, setzen andere auf einen strukturierten Lehrvortrag in Kombination mit einem didaktisch gut aufbereiteten Skriptum. Die Hörsaalausstattungen reichen vom Overhead-Projektor bis zu Dokumentenkameras und bieten somit Lehrenden aller Zugänge die passenden Rahmenbedingungen.

Feedback sowie die Aktivierung von Studierenden ist für alle Lehrenden ein Thema. Besonders wichtig scheint es, die Studierenden während des Vortrags zu beobachten, um zu merken, ob dem Inhalt gefolgt werden kann und dies im Zweifelsfall auch abzufragen. Die Varianten, dies zu tun, reichen von Kopfnicken bis zu herausfordernd gestellten Fragen. Klar wurde: Auf Rückmeldungen muss durch Adaption des eigenen Vortrags reagiert werden.

I´m not a number

In einem Punkt waren sich die Anwesenden einig: Es ist essentiell, den Studierenden das Gefühl zu geben, erwünscht zu sein und stets zu vermitteln, dass man daran interessiert ist, dass sie den Stoff verstehen bzw. das Studium schaffen. Studierende sollten zu keiner Zeit das Gefühl haben, für Lehrende nur eine (Matrikel)- Nummer bzw. gar lästig zu sein. Einer der Lehrenden brachte es wie folgt auf den Punkt: „Lehrende sollten für ihre Studierende Leuchttürme sein, die zeigen wo es hingeht und Role Models darstellen.“ Darüber hinaus sei es auch die Aufgabe von Lehrenden, Freude am Fachbereich zu vermitteln. Aus diesem Grund sollten sich auch „alte Hasen“ weiter am Übungsbetrieb beteiligen.

Lehre als Forschungsgegenstand

Die Erfahrungsberichte der „Best Teachers“ sind sehr wertvoll. Sie zeigen, dass sich gute Lehre mit unterschiedlichen Zugängen realisieren lässt und es hauptsächlich auf eine entsprechende persönliche Haltung ankommt. Neben der Wichtigkeit der im Erfahrungsaustausch herausgearbeiteten „aktivierenden Lehrstrategien“ haben sich in der didaktischen Fachliteratur zwei weitere, den Lernerfolg positiv beeinflussende, Faktoren ergeben: „Transparente Leistungserwartungen“ und „Feedback und Evaluation“.

Zusammenfassend steht folgende These: Das Engagement für gute Lehre und Studierende zahlt sich in jedem Fall aus. Letztlich wird in den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs und somit die Zukunft des Faches investiert.

Die nächsten Workshops

Für einige der kommenden Workshops sind noch Plätze verfügbar:

 

Eine Anmeldung ist über den Weiterbildungskatalog in TISS möglich: tiss.tuwien.ac.at/personal/interne_veranstaltung

Besuchen Sie uns auch auf www.tuwien.ac.at/lehre/qualitaetssicherung/hochschuldidaktik

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