Politik
Nr. 42

Gemeinsame Hochschulzukunft: Vernunftehe oder Liebesheirat?

Bettina Kunnert | Büro für Öffentlichkeitsarbeit
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Wissenschaftsministerium

Weder noch. Der vor einem Jahr vom bmwfw initiierte Strategieprozess trägt den Titel „Zukunft Hochschule“ und zielt weder auf Kuschelkurs noch auf Rosenkrieg ab. Für das österreichische Hochschulsystem soll eine Neuordnung gefunden werden.

Kurz zur Historie: Das Wissenschaftsministerium (bmwfw) ortete Optimierungsbedarf was die Ausprägung des Ausbildungsprofils von Universitäten und Fachhochschulen, die Abstimmung ihres Studienangebotes und die Durchlässigkeit innerhalb des tertiären Sektors betrifft. Bis Juni 2017 sollen in Arbeitsgruppen Konzepte erarbeitet werden, die diese Optimierungsaufgabe lösen. Umsetzungsbeginn des Plans ist die kommende Leistungsvereinbarungsperiode der Universitäten 2019 – 2021. Gleichzeitig steht der Ausbau des FH-Sektors im Fokus.

Dem bmwfw geht es laut eigenen Angaben darum, nach Abschluss des Abstimmungsprozesses im Sommer 2017 konkrete Konzepte in die Budgetverhandlungen einzubringen. Damit sollen der österreichische Hochschulraum einerseits finanziell abgesichert und andererseits finanzielle Spielräume für die Umsetzung der Konzepte geschaffen werden. Diese Vorgangsweise ist notwendig, da diese Budgetverhandlungen zum Bundesfinanzrahmengesetz bis Ende 2017 abgeschlossen sein müssen und damit auch die Weichenstellungen für die Jahre 2019 bis 2021 eng verbunden sind. Es geht jedenfalls nicht um Einsparungen, wohl aber um Fragen der Effektivität und Effizienz.

Wir sind zu verschieden

Grundsätzlich steht die TU Wien dem Projekt „Zukunft Hochschule“ positiv gegenüber und arbeitet zudem aktiv mit. Für den Arbeitsmarkt ist der Ausbau des FH-Sektors ein sinnvoller Schritt. Betrachtet man den gesamten tertiären Bildungssektor, gilt es jedoch unbedingt zu berücksichtigen, dass Universitäten und Fachhochschulen unterschiedliche Ausbildungsziele verfolgen: Die Universitäten stehen für wissenschaftsorientierte Berufsvorbildung, die FH hingegen für praxisorientierte Berufsausbildung. Dadurch entstehen naturgemäß Absolvent_innen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Daher ist es nicht so trivial, Fächer zwischen den unterschiedlichen Systemen zu transferieren oder abzutauschen. Das heißt, man muss bei der geplanten Transferierung von Studienfächern mehr bedenken als bloß die Finanzen.

Chancen

„Die Chancen des Projektes bestehen vor allem in der strukturierten Auseinandersetzung mit den Kernkompetenzen von Universität und FH und damit auch mit dem Thema Durchlässigkeit“, hält Rektorin Sabine Seidler fest. Die Durchlässigkeit im universitären System betreffend, kann das Durchlässigkeitspapier der TU Austria-Universitäten (TUW, TUG, MUL) als Prototyp angesehen werden, welches in einem nächsten Schritt um die Technikstudien in Österreich erweitert werden soll. Mit einer aktiven Herangehensweise wurde und wird in allen die TUW betreffenden Aktionsfeldern mitgestaltet. Darüber hinaus wurden entsprechende Gespräche mit den Entscheidungsträger_innen bmwfw, des Wissenschaftsrates, der Industriellenvereinigung usw. geführt.

Große Gewichte stemmen

Das Projekt beinhaltet jedoch auch Risiken. Unterstellt man, dass im Projekt Einsparungsgründe eine Rolle spielen, muss genau hingeschaut werden. Es wird jedenfalls nicht billiger, wenn Studierende von den Unis an die FH „verschoben“ werden. Damit es funktioniert, muss man die Unterschiede der Systeme ausgleichen. Die FH haben Studienplatzbewirtschaftung, Zulassungsverfahren und Studiengebühren. Die Universitäten haben diese Steuerungsinstrumente nicht bzw. die Zulassungsverfahren nur in eingeschränktem Maße. Auch wird in der Diskussion häufig außer Acht gelassen, dass die Unis mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln noch zu mindestens 50 Prozent Forschung betreiben müssen. Das heißt, sie bilden im Vergleich zur FH kostengünstiger aus. (Anm. der Redaktion: Eine FH kriegt vom Bund für einen Technik-Studienplatz 7.940 Euro pro Jahr. Umgelegt auf das TU-Gesamtbudget und auf die Studierendenzahl, hat die TU pro Studierendem ungefähr diesen Betrag zur Verfügung, zahlt davon aber 60 Prozent für Forschung. Ergo stehen pro TU-Ausbildungsplatz nur rund 3.200 Euro pro Jahr zur Verfügung.) Die TUW hat beispielsweise pro Jahr 900 Anfänger_innen im Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau, was nahezu nicht mehr zu bewältigen ist. Denn wenn vermehrt Ressourcen für die Ausbildung eingesetzt werden müssen, geht das zulasten der Forschung. Damit wird aber das Innovationssystem eingeschränkt, welches Universitäten bekanntlich doppelt stützen: Mit Absolvent_innen und mit Forschungsergebnissen!

Die vom bmwfw zum Projekt eingesetzten Arbeitsgruppen haben ihre Arbeit beendet. Fortsetzung folgt …

Bild: © Gryffindor

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