Campus
Nr. 42

Frauenpower für die Informatik

Daniela Neubacher | Zentrum für Koordination & Kommunikation der Fakultät für Informatik

© Christian Lendl

„Wo gibt es Löcher in der Pipeline?“, fragten sich bei der Podiumsdiskussion am 14. März Vertreter_innen von Forschung, Industrie und Lehre. Unter dem Titel „More female students for Computer Science. Who cares?“ lud die Fakultät für Informatik ein, gemeinsam nachhaltige Maßnahmen zur Frauenförderung an Universitäten zu erarbeiten.

Dekan Hannes Werthner diskutierte mit hochrangigen Wissenschaftler_innen wie Lenore Blum (Carnegie Mellon University) und Christiane Floyd (Deutschlands erste Informatik-Professorin) sowie Georg Kapsch (Präsident der Industriellenvereinigung) und Sabine T. Köszegi (Professorin für Labor Science and Organization, TU Wien). Die Moderation übernahm Gerald Groß.

Frauen unter Beweisdruck

Anna Steiger, Vizerektorin für Personal und Gender, wies bei ihrer Begrüßung darauf hin, dass Technik-begeisterte Frauen nach wie vor mit engen Geschlechterrollen zu kämpfen hätten. „Im Gegensatz zu Männern müssen Frauen erst beweisen, dass sie mit Technik umgehen können.“, so die Vizerektorin. Für Köszegi seien die aktuellen Drop-Out-Quoten von Studentinnen besorgniserregend: „Die Pipeline ist lückenhaft.“. IV-Präsident Kapsch hob hervor, dass es in Österreich generell ein mangelndes Interesse an Technologie gäbe. Dem müsse in den Schulen, aber auch in der Lehrenden-Ausbildung entgegengewirkt werden. Dekan Werthner betonte die Schwierigkeit von Fördermaßnahmen angesichts von Ressourcenknappheit bei Massenstudien. „Wir müssen uns bewusstwerden, dass es bei der Förderung von Frauen an Universtäten nicht nur darum geht, Personal für die Industrie auszubilden. Universitäten ‚produzieren‘ Ideen und Forschung. Auch dazu brauchen wir mehr Teilhabe von Frauen“, stellte Werthner klar.

Best-Practice kostet Zeit und Geld

„Ich hatte selbst kein weibliches Vorbild. Ich bin aber auch nicht sicher, ob mir damals eines fehlte“, merkte Floyd, emeritierte Professorin für Software Engineering an. Die Österreicherin wurde 1978 als erste Informatik-Professorin im deutschen Sprachraum an die Technische Universität Berlin berufen. Viel wichtiger als Quoten erscheine ihr die Berücksichtigung der Lebensumstände von Frauen und die Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Unis.

Auch für Blum sei das soziale Umfeld wesentlich entscheidend, um Frauen Karrierewege an Universitäten zu ermöglichen. An der Carnegie Mellon University, welche einen vorbildlichen Frauenanteil von etwa 40 Prozent vorzuweisen hat, habe sich die Gründung einer eigenen Organisation bewährt, von deren Netzwerk-Events und Vorträgen schließlich Frauen wie Männer profitieren würden. „Programme wie diese müssen für die Universitäten zur Priorität werden, um unabhängig von Projektfinanzierungen nachhaltig wirken zu können“, appelliert Blum.

Helmut Veith Preis für Masterstudentinnen

Die Podiumsdiskussion bildete den Abschluss eines zweitägigen internationalen Workshops zum Thema „Innovations in Informatics Education at Universities – International Best Practices”. Damit stellte sich die Fakultät für Informatik der vielschichtigen Ursachen des Frauenmangels und versucht, im internationalen Austausch Lösungsansätze zu finden. Im Zuge des Abends wurde auch der Helmut Veith Preis für exzellente Masterstudentinnen der Informatik verliehen. Kurt Matyas, Vizerektor für Studium und Lehre, vergab die auf 6000 Euro dotierte Auszeichnung an die Niederländerin Marieelle Rietdijk.

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