100 Jahre Technikstudium für Frauen
Nr. 50

Hürdenlauf: Der mühsame Weg von Frauen an die TU Wien – ein Erfahrungsbericht vom Karlstag

Tarek Diebäcker, Karin Hiltgartner, Petra Hirschler

Im Rahmen des Karlstags am 17. Mai 2019 organisierten Studierende der Studienrichtungen Architektur und Raumplanung einen Hürdenlauf auf die TU Wien.

Nach ihrer Gründung im Jahr 1815 stand die TU Wien lange Zeit ausschließlich Männern offen. Das änderte sich erst mit einem Erlass am 7. April 1919 – vor 100 Jahren. Anlass genug sich anzusehen, was seitdem passiert ist, und zu thematisieren, welchen Hürden und Hindernissen sich insbesondere Frauen in der Technik heutzutage noch stellen müssen.

Im Rahmen des Karlstags am 17. Mai 2019 organisierten Studierende der Studienrichtungen Architektur und Raumplanung im Rahmen der Lehrveranstaltung „100 Jahre brav sind genug“ in Kooperation mit „100 Jahre Frauenstudium“ einen Hürdenlauf auf die TU Wien. Der Weg zwischen U-Bahn-Aufgang und Hauptgebäude wurde mit unterschiedlichen Hürden gepflastert und lud zur aktiven Teilnahme ein.

 

Denn Hürdenläufer_innen bewältigten eine herausfordernde Aufgabe: Im klassischen Hürdenlauf durchlaufen sie eine Gerade von 100 Metern auf dem schnellsten Weg, obwohl ihnen zehn Hürden im Weg stehen, die noch dazu hoch sind. Die Teilnehmer_innen konnten sich an diesen klassischen Hürden ausprobieren. Zudem gab es neun unterschiedliche thematische Hürden zu bewältigen.

Zuallererst galt es sich durch das Spinnennetz überhaupt einmal einen Blick auf das Ziel – den Haupteingang der TU Wien – zu verschaffen. Im nächsten Schritt wurde die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in der Berufswelt sowie die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit in Haushalt und Kinderbetreuung thematisiert. In weiterer Folge konnten unterschiedliche Herausforderungen im Alltag auch körperlich erfahren werden: Tempelhüpfen mit schwer beladener Einkaufstasche, Babypuppe und Planrolle ist dann doch nicht mehr ganz so einfach. Bei Dosenschießen für die Work-Life-Balance wurde die Mehrbelastung dafür belohnt – Männer mit akademischer Ausbildung und ohne Kinder mussten von ganz hinten antreten.

Es war den Studierenden ein besonderes Anliegen, verschiedene Formen der Diskriminierung zu thematisieren. Bei der Mauer der Diskriminierung vor dem Ressel-Denkmal (Wieso steht hier eigentlich kein Denkmal einer Frau der Technik? Gleiches gilt für die Büsten entlang der Fassade der TU) wurden unzählige Vorurteile visualisiert wie zum Beispiel Studierende, die aus dem ländlichen Raum kommen und Dialekt sprechen, „Numerus-clausus-Flüchtlinge“ aus Deutschland, feminin aussehende Männer oder Kopftuchträgerinnen. Auf der Rückseite der Mauer wurde diesen Gruppen mit positiven Antworten auf Vorurteile der Rücken gestärkt. Abschließend galt es noch einen Abschlusstest zu bestehen – ein Hinweis darauf, dass auf der Fakultät für Architektur und Raumplanung dieses Jahr Zugangsbeschränkungen eingeführt werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies nicht zu einer zusätzlichen Hürde entwickelt, die Frauen zukünftig an der TU Wien überspringen müssen.

 

Die letzten Hürden endeten bei der riesigen Geburtstagstorte anlässlich des 100-jährigen Jubiläums, auf der die Band „Sag nicht Tussi zu mir“ für die musikalische Begleitung des Events sorgte. Zeit zum Feiern, auch wenn der Weg auf die TU Wien nach 100 Jahren ein immer noch mit Hürden gepflasterter ist. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer_innen und hoffen, es hat zum Nachdenken angeregt, aber vor allem auch Spaß gemacht!

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