Campus
Nr. 43

focus:lehre-Veranstaltung „Prüfungen an der TU Wien: Wege durch den Paragraphendschungel für Lehrende“ – ein Nachbericht

Martina Schönerklee, Christian Marschnigg | Universitätsentwicklung und Qualitätsmanagement
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Die Teilnehmer_innen nutzten die Gelegenheit und stellten zahlreiche Fragen.

In den letzten beiden Jahren waren die beiden praxisnahen Veranstaltungen über studienrechtliche Themen gut besucht. Am 10. Mai 2017 stand nun das Thema „Prüfen“ im Fokus.

Nach eröffnenden Worten von Prof. Kurt Matyas, Vizerektor für Studium und Lehre, gab Dr. Jasmin Gründling-Riener, Leiterin der Studienabteilung, in ihrem Vortrag einen Überblick über Regelungen des Prüfungsrechts.

Der zweite Teil der Veranstaltung war für konkrete Fragen der Lehrenden zu rechtlichen Belangen der Leistungsüberprüfung reserviert. Die mehr als 100 Anwesenden nutzten die Gelegenheit sehr rege und fragten beispielsweise nach, wie man mit „Schummelversuchen“ umgehen kann. Diese Frage wurde wie folgt beantwortet:

Das „Schummeln“ wird im Juristendeutsch „Erschleichen einer Beurteilung“ genannt. Dabei müssen verschieden Fälle unterschieden werden. Gesetzlich geregelt ist nur der Fall, dass die Erschleichung nach der Beurteilung entdeckt wird. Die Beurteilung ist dann als nichtig zu erklären, der Prüfungsantritt dennoch zu werten.

Wesentlich häufiger wird in der Praxis die Erschleichungshandlung vor der Beurteilung entdeckt. Die Vorgehensweise ist im Universitätsgesetz (UG) nicht geregelt, sondern Sache der Prüfungsaufsicht (gemäß § 79 Abs.4 UG), die für einen geordneten Ablauf der Prüfung zu sorgen hat. Wird ein/e Student_in während der Prüfung beim „Schummeln“ ertappt, so ist das unerlaubte Hilfsmittel zur Beweissicherung abzunehmen und erst nach der Prüfung zurückzugeben, sofern es sich um Bücher, Handy oder ähnliche Wertgegenstände handelt. Einfache „Schummelzettel“ sind als Beweis einzubehalten. Ebenso ist in der Prüfungsarbeit zu markieren, bis wohin das unerlaubte Hilfsmittel verwendet wurde. Bei diesem Teil kann nicht von einer Eigenleistung ausgegangen werden, und er ist bei der Beurteilung negativ zu werten. Es kommt jedoch NICHT zu einem Prüfungsabbruch durch den/die Prüfer_in. Wichtig ist: Sämtliche Auffälligkeiten sind im Prüfungsprotokoll zu vermerken.

Für den Fall, dass das „Schummeln“ nach der Prüfung aber vor der Beurteilung entdeckt wird, gilt, dass lediglich die Eigenleistung zu beurteilen ist. Wie viel erschwindelt wurde, ist durch den/die Prüfer_in in freier Beweiswürdigung festzustellen. Falls das Ausmaß unklar ist, hat der/die Ertappte die Korrektheit der Leistung zu beweisen. Bisher bewährte sich in diesem Fall ein Gespräch des/der Prüfer_in und Studiendekan_in mit dem/der Studierenden. Dieses Gespräch ist keine Prüfung im Sinne des UG, sondern eine Beweisaufnahme im Ermittlungsverfahren gemäß AVG, weshalb keine Benotung erfolgt und eine Anfechtung durch den/die Studierende auch nicht möglich ist. In diesem Gespräch ist abzutasten, ob die erbrachte Prüfungsleistung tatsächlich von dem/der Studierenden stammen kann. Das Gespräch sollte ebenfalls dokumentiert sowie wenn möglich vor Zeug_innen (z.B. Institutsmitarbeiter_in) abgehalten werden. Weigert sich die/der Studierende, dieses Gespräch durchzuführen, wurde nicht nachgewiesen, dass es sich bei dem fraglichen Teil um eine Eigenleistung handelt und er kann bei der Beurteilung daher nicht gewertet werden.

Das große Interesse der Lehrenden, die zahlreichen gestellten Fragen sowie die positiven Feedbacks regen uns an, die Veranstaltungsreihe mit wechselnden thematischen Schwerpunkten fortzuführen.

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Prof. Kurt Matyas, Vizerektor für Studium und Lehre

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Dr. Jasmin Gründling-Riener, Leiterin der Studienabteilung

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