Forschung
Nr. 43

Fake-News und die Macht der Algorithmen

Daniela Neubacher | Zentrum für Koordination & Kommunikation der Fakultät für Informatik

Bei der Vienna Gödel Lecture 2017 eröffnete der spanisch-chilenische Informatiker aus Kalifornien Ricardo Baeza-Yates seinem Publikum die wenig beleuchteten Seiten des Webs: In seinem Vortrag an der Fakultät für Informatik zum Thema „Bias in the Web“ erklärte er, welche Mechanismen hinter Filterblasen und Fake-News stecken.

Wenn wir an der Kassa trotz Karies zum Schokoriegel greifen, gehen wir ihm auf den Leim. Doch auch wenn wir im Online-Shop unseren Wünschen hinterherjagen, überlassen wir nicht dem Zufall freie Hand. Online wie offline entscheiden nämlich andere, was uns angeboten wird und was verborgen bleibt. In der Fachsprache heißt das Presentation Bias. Für den Informatiker Ricardo Baeza-Yates ist das nur die Spitze eines Eisberges, den wir beim täglichen Surfen gern übersehen.

Alles eine Sache der Einstellung?

Als diesjähriger Sprecher der Vienna Gödel Lecture schuf Baeza-Yates Bewusstsein für das Thema. Bei Bias handelt es sich um keine Erfindung des Internets. Voreingenommenheit, Vorurteile und Befangenheiten gibt es überall, wo Menschen kommunizieren. Wirtschaftlich, kulturell, gender-spezifisch oder demografisch – wir werden tagtäglich mit „biased data“ konfrontiert. Das Web bringt jedoch eine neue Dynamik ins Spiel: Fehlerhafte Daten oder radikale Meinungen verbreiten sich darin rasend schnell. „Fake News können heute in kurzer Zeit die ganze Welt erreichen, während sie früher vielleicht nicht über den Stammtisch hinausgekommen sind“, erklärt Baeza-Yates im Interview mit Futurezone.

Grundsätzlich unterscheidet der Algorithmus-Experte zwischen Daten-Bias und Prozess-Bias. Während es sich bei ersterem um eine Verzerrung von Daten handelt, geht es beim Prozess-Bias um systembedingte Fehler. So produzieren etwa Algorithmen neue Daten am laufenden Band. Folgen diese Handlungsvorschriften falschen Annahmen verstärken sie diese umso mehr.

Wie platzt die Filterblase?

Derzeit liegt es noch an den Nutzer_innen selbst, ob sie versuchen, ein möglichst vielfältiges Angebot an Informationen im Web zu konsumieren und Auswege aus der Filterblase zu finden. Mit seiner Suchtechnologie-Firma NTENT forscht Baeza-Yates derzeit aber auch an technologischen Ansätzen, wie die ein besserer Ausgleich an gegensätzlichen Meinungen hergestellt werden kann. Bis dahin ruft er Entwickler_innen sowie Nutzer_innen auf, sich in ihrer Arbeit und im Alltag die vielen Arten und Mechanismen der Voreingenommenheit vor Auge zu führen und gemeinsam den „Teufelskreis des Bias“ zu durchbrechen.

Bilder: © Nadja Meister/Fakultät für Informatik

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