Lehre
Nr. 38

Erstmals Aufnahmetests an der TU Wien

Herbert Kreuzeder| Büro für Öffentlichkeitsarbeit

Für das kommende Wintersemester 2016/17 werden in der Informatik und Wirtschaftsinformatik erstmals Aufnahmetests durchgeführt. Erhofftes Ziel: Mehr Frauen und weniger Studienabbrecher_innen.

Bereits seit 2013 besteht die Möglichkeit, Beschränkungen in Informatik bzw. Architektur einzuführen. Bisher hat die TU Wien dies nicht gemacht, da die vorgegebene Mindestzahl an Studienplätzen weit über den tatsächlichen Kapazitäten lag. Bei den letzten Leistungsvereinbarungsverhandlungen konnte man sich mit dem Wissenschaftsministerium auf eine realistischere Zahl für die Informatik einigen. „Weil es Unis ohne Zugangsbeschränkungen in Informatik gibt, wurde die Zahl der Studienplätze, die die TU Wien anbieten muss, von 980 auf 581 pro Studienjahr reduziert. Das entspricht schon eher unseren Kapazitäten. Außerdem erfordert die Einführung der Aufnahmeverfahren in der Informatik an der Uni Wien eine gleichgelagerte Reaktion um einen Verdrängungseffekt Richtung TU zu verhindern.“ erklärt Vizerektor für Lehre Kurt Matyas.

Inskribierte vs. Prüfungsaktive

Informatik-Dekan Hannes Werthner hofft darauf, dass durch das Aufnahmeverfahren mittelfristig die Zahl der Informatik-Studierenden von derzeit rund 6.000 auf ca. 4.000 sinken wird. Das würde auch das Betreuungsverhältnis positiv verändern. „An der ETH Zürich kommen 43 Studierende auf eine Professur, an der RWTH Aachen sind es 80, an der TU Wien 127. So ist qualitativ hochwertige Lehre nicht auf Dauer durchführbar.“ Dabei sei es prinzipiell absurd, in einem von der Wirtschaft nachgefragten MINT-Studium die Plätze zu beschränken.

An der ETH Zürich kommen 43 Studierende auf eine Professur, an der RWTH Aachen sind es 80, an der TU Wien 127.

„Unglücklich“ ist auch Vizerektor Matyas ganz grundsätzlich über die Notwendigkeit einer Beschränkung und betont: „Leider haben wir nicht unendlich viele Ressourcen, daher muss man den Zugang irgendwo regeln.“

Gemeinsame Hoffnung ist, dass die Zahl der Prüfungsaktiven trotz weniger Studienbeginner_innen stabil bleibt. Derzeit macht einer von fünf Informatikstudierenden keine einzige Prüfung, fast die Hälfte schließt ihr Studium nicht ab. Auch wenn es sich bei den meisten der verfrühten Abgänge um „Jobouts“ handelt, soll die Abschlussquote steigen.

Informationsoffensive

Mit einer Informationsoffensive über die breiten Einsatzmöglichkeiten von Informatik etwa auf YouTube und an den Schulen wirbt die Fakultät um Studieninteressierte, vor allem auch um mehr Frauen. „Wir wollen die richtigen Beginner_innen“, begründet Dekan Werthner. Als Angebot für Schulen sind außerdem offen zugängliche Online-Kurse (MOOCs) geplant, die z.B. im Unterricht eingesetzt werden können.

„Wir wollen weg von der anwendungsorientierten Informatik und zeigen, dass das etwas mit Logik, Verstehen, Modellieren und Abstrahieren zu tun hat. Wir glauben, dass dadurch Informatik mittelfristig attraktiver wird, gerade für Frauen“, erklärt Studiendekanin Hilda Tellioglu.

Gendersensibel

Derzeit sind nur knapp 20 Prozent der Studierenden in Informatik weiblich. Der Frauenanteil soll durch Aufnahmeverfahren keinesfalls sinken. Deshalb werden an der TU Wien wie auch an der Uni Wien die Reihungstests so gestaltet, dass weder Frauen noch bestimmte Schultypen benachteiligt werden. Fragekategorien, die sich in schon bekannten Studien als diskriminierend herausgestellt haben, wurden etwa gestrichen. Prinzipiell sind keine Vorkenntnisse für die Reihungstests notwendig.

Weitere Ideen wie eigene Studienplatzkontingente für Frauen gab es auch noch. Solche Maßnahmen sind allerdings gesetzlich erst dann möglich, wenn das bisherige Verfahren nachweislich dazu geführt hat, dass signifikant weniger Frauen aufgenommen wurden. Damit bleibt nur abzuwarten, wie sich die Anmeldungen entwickeln, ob ein Reihungstest überhaupt notwendig wird und ob und wie sich der Frauenanteil in der Informatik verändert.

Weitere Details zum Aufnahmeverfahren Informatik: http://www.informatik.tuwien.ac.at/aufnahme

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