Forschung
Nr. 43

Ein Extra-Turbo für die Forschung

Florian Aigner | Büro für Öffentlichkeitsarbeit
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Prof. Silke Bühler-Paschen

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Prof. Silvan Schmid

Warum es sich lohnt, sich für einen ERC-Grant zu bewerben: 18 Mal ging die hochdotierte Auszeichnung bereits an die TU Wien – für die Forschung ist das jedes Mal ein Schub nach vorne.

Alleine im Hinterzimmer, mit Papier und Bleistift, lassen sich heute kaum noch wissenschaftliche Probleme lösen. Moderne Forschung braucht Infrastruktur, Messgeräte und Personal – und das kostet Geld. Eine ganz zentrale Rolle in der europäischen Forschungsförderung spielt seit zehn Jahren das European Research Council, das die hochdotierten ERC-Grants vergibt. Sie gelten als äußerst prestigeträchtige Auszeichnung und ermöglichen Grundlagenforschungs-Projekte aus allen Fachgebieten.

Die TU Wien hat in diesen zehn Jahren stark vom ERC profitiert: Über insgesamt 18 ERC Grants konnte man sich bisher freuen. „Die hohe Anzahl an ERC-Grants zeigt, dass an der TU Wien Forschung auf Spitzenniveau betrieben wird“, sagt Prof. Johannes Fröhlich, Vizerektor für Forschung und Innovation. „Besonders erfreulich ist auch, dass unter den ERC-Grants alle fünf Forschungsschwerpunkte der TU Wien vertreten sind. Wir haben also in all unseren Kernbereichen Spitzenforschung vorzuweisen.“

Ultrakalte Physik

Eine der Ersten, die sich über einen ERC-Grant freuen durften, war die Physikerin Prof. Silke Bühler-Paschen vom Institut für Festkörperphysik der TU Wien. Ihr Forschungsprojekt über die ungewöhnlichen Eigenschaften ultrakalter Quanten-Materialien wurde gleich in der ersten Förderrunde genehmigt. „Auf meine wissenschaftliche Entwicklung hatte der ERC-Grant einen gewaltigen Einfluss“, erzählt Bühler-Paschen. „Mit dem Fördergeld war es möglich, das Spektrum unserer Forschungsarbeit deutlich auszubauen und ganz neue Experimente zu realisieren.“

Schon vorher hatte sie darüber nachgedacht, sich mit Materie bei ultratiefen Temperaturen auseinanderzusetzen, doch erst mit dem ERC-Grant gelang es dann, ein eigenes Mikrokelvin-Labor im Freihaus der TU Wien einzurichten. In diesem Labor werden jetzt weltweit einzigartige Messungen an quantenkritischen Materialien durchgeführt.

Silke Bühler-Paschen war selbst bereits mehrfach als Panel-Mitglied beim ERC tätig: „Mitzuentscheiden, welche neuen Projekte gefördert werden sollen, ist eine äußerst spannende aber schwierige Aufgabe.“

Mikroskopisch kleine Antennen

Auch der Elektrotechniker Prof. Silvan Schmid wurde mit einem ERC-Grant ausgezeichnet – im vergangenen Jahr, nur wenige Monate, nachdem er als Professor an die TU Wien (Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme) berufen worden war. „Für meine Karriere war das ein Riesensprung nach vorne“, sagt Schmid. „Durch die Förderung vom ERC konnte ich etwas ganz Neues ausprobieren.“

In Schmids Labor werden mikroskopisch kleine Antennen mit Licht bestrahlt. Dabei kommt es zur Wechselwirkung zwischen drei ganz unterschiedlichen Schwingungen: Die mechanische Vibration der Antennen, die sich wie winzige Gitarrensaiten bewegen, die kollektiven Schwingungen der Elektronen im Material, die man als Plasmonen bezeichnet, und die elektromagnetische Schwingung des Lichts. „Daraus ergibt sich ein spannendes, neues Forschungsgebiet – die Nano-Plasmo-Mechanik“, erklärt Schmid. „Das ist bisher kaum erforscht, bietet aber tolle Anwendungsmöglichkeiten. Ohne ERC-Grant wäre es nicht möglich gewesen, in diese neue Richtung zu gehen.“

Drei verschiedene Förderschienen

Vergeben werden die ERC-Grants in unterschiedlichen Varianten: „Starting Grants“ mit einem maximalen Fördervolumen von 2 Millionen Euro sind für besondere Nachwuchstalente (2-7 Jahre nach Abschluss ihrer Dissertation) gedacht. Ihnen soll mit dem ERC-Grant die Möglichkeit gegeben werden, ihre eigene Forschungsgruppe aufzubauen und sich international zu etablieren – wie im Fall von Schmid.

Für die „ERC Consolidator Grants“ kann man sich 7-12 Jahre nach Abschluss der Dissertation bewerben. Mit bis zu 2.75 Millionen Euro sollen sie dabei helfen, die Position bereits etablierter Forschungsteams an der Weltspitze zu konsolidieren.

Wer bereits auf eine längere Spitzenkarriere in der Wissenschaft zurückblicken kann, darf sich Hoffnungen auf einen „Advanced Grant“ machen, dotiert mit bis zu 3.5 Millionen Euro. Mit einem solchen Grant wurde Bühler-Paschen ausgezeichnet. Die Bewilligungsquote war freilich zu Beginn im FP7 (2007-2013) in allen drei Sparten sehr gering, im Horizon 2014-2020 stieg sie Dank einer deutlichen Budgeterhöhung zugunsten des ERC in der jüngsten Ausschreibungsrunde auf über 15 Prozent an.

Wer der eigenen Forschung durch einen ERC-Grant an der TU Wien einen kräftigen Schub nach vorne verpassen möchte, wird vom EU-Forschungssupport der TU Wien unterstützt: „Schon im Vorfeld der Antragerstellung liefern wir wichtige Basisinformationen“, sagt Siegfried Huemer, Leiter des EU-Forschungssupportes. „Unsere jährliche Veranstaltung zur Antragstellung eines ERC Starting und Consolidator Grants informiert über formale Antragskriterien und die Projektbudgetkalkulation. Darüber hinaus bietet die ERC Nationale Kontaktstelle, als unser Partner beim FFG, einen Proposal Check an. Interessierte sollten sich bereits jetzt den 12. September 2017 für die nächste Infoveranstaltung zum ERC Starting und Consolidator Grant 2018 vormerken.“

Übersicht: http://www.tuwien.ac.at/forschung/forschungs_erfolge/erc_grants

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