Forschung
Nr. 51

Infrastrukturen für die Forschung – das Projekt „e-Infrastructures Austria“

Paolo Budroni | TU Wien Bibliothek

Erfahrungsaustausch über den Auf- und Ausbau von E-Infrastrukturen in Österreich geht erfolgreich zu Ende.

Mit 31.12.2019 geht ein nunmehr sechsjähriger gemeinsamer Erfahrungsaustausch über den Auf- und Ausbau von E-Infrastrukturen in Österreich erfolgreich zu Ende. Dieser Erfahrungsaustausch wurde im Rahmen des Projektes „e-Infrastructures Austria“ (gefördert aus Hochschulraum-Strukturmitteln des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung, HRSM) im Jahr 2014 mit mehr als zwanzig Partner_innen gestartet und von acht universitären Partnerinstitutionen – also etwas mehr als einem Drittel der österreichischen Universitäten – von 2017 bis 2019 im Projekt „e‍-‍Infrastructures Austria plus“ fortgeführt. Das Projekt wirkte sich über seine Arbeitspakete positiv und nachhaltig auf die Entwicklungen der forschungsunterstützenden Services in Österreich und somit direkt auf die österreichische Universitätslandschaft aus. Dazu beigetragen hat eine Governance-Struktur, die einerseits mit Beschlüssen in der Vollversammlung für eine breite Zustimmung unter den Projektpartnern sorgte und andererseits im Lenkungsausschuss die Rückkoppelung an die universitäre Leitungsebene leistete. Diese wurde vertreten durch VR Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Johannes Fröhlich (TU Wien), VR Dipl.-Ing. Dr. Michaela Fritz (Medizinische Universität Wien), VR Ass.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Meixner (Universität Innsbruck).

Impact auf die österreichische Forschungslandschaft

Die österreichischen Forschungseinrichtungen erlebten während der letzten Jahre das Entstehen von zwei Forschungsdatenmanagementzentren (einem an der TU Wien und einem an der TU Graz), die Einführung eines Regelbetriebes von Datenmanagementplänen, die Einführung von Policies für Datenmanagement an einigen Universitäten – unter anderem an der TU Wien, sowie die Einleitung von Entwicklungsprozessen zu Forschungsdatenmanagement (FDM)-Policies an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie am IST Austria.

Im Zuge einer Weiterentwicklung von Infrastrukturen für die Forschung entstanden in dieser Zeit an der TU Wien Bibliothek national tätige Koordinationsstellen zu den Themen rund um ORCID iDs und die DOI-Vergabe für Publikationen und Forschungsdaten. Als weitere, über das Projekt hinausgehende positive Auswirkung wurde die „Research Data Alliance (RDA) Austria“ mit Sitz an der TU Wien gegründet, die inzwischen nicht nur als wichtiges Instrument zur Stärkung der E-Infrastrukturen tätig, sondern auch international als Austrian National Node offiziell anerkannt ist. Außerdem entstand ein weiteres HRSM-Projekt ausdrücklich nach dem Vorbild von „e-Infrastructures Austria“: „Open Education Austria[iv].

Alle an den Projekten beteiligten Universitäten haben während der Projektlaufzeiten moderne Repositorien eingeführt. Die zuständigen Repositorienmanager_innen sind heute mit der Materie bestens vertraut und geschult. Auch wichtige juristische Fragen wurden laufend erörtert, Leitfäden zum allgemeinen Gebrauch erstellt. Netzwerkartig haben sich in denselben Abteilungen, in denen das Projekt durchgeführt wurde, Arbeitsgruppen gebildet, die vom Projekt inspiriert wurden und von diesem losgelöst neue Initiativen gestartet haben. Heute besteht an allen Partnereinrichtungen ein gemeinsamer Wissensstand bezüglich der zu verwendenden Terminologien und ein reger Austausch wird gelebt. Neuartige Begriffe wie „Data Stewardship“, „digitales Ökosystem“, „Life Cycle Management“ sind eingeführt und Initiativen dazu erprobt und umgesetzt.

Transnationale Aktivitäten

In den letzten drei Jahren stieg die Aufmerksamkeit internationaler Einrichtungen für das Projekt – mehr darüber im offiziellen Jahresbericht, der Ende 2019 erscheinen wird (Jahresbericht der Projektjahre 2014–2016). Auf Wunsch gastgebender Institutionen wurde das Projekt bzw. Teilergebnisse unter anderem in Göttingen, Kopenhagen, Barcelona, Groningen, Rom, Mailand, Venedig, Padua, Uppsala, Edinburgh, Addis Abeba, Beirut und Ankara präsentiert. In Italien fand eine Forschungsdatenumfrage unter Verwendung des Fragebogens von „e-Infrastructures Austria“ statt, die in eine Publikation zum Vergleich der Ergebnisse mündete.

Eine der letzten Aktivitäten wird der eintägige Workshop „Certification workshop on fair-aligned repositories in Austria“ sein (TU Wien Bibliothek, November 2019). Dieser Workshop steht in engem Zusammenhang mit der Vorbereitung und Einführung der „European Open Science Cloud“ (EOSC), die Forschende und forschungsunterstützende Einrichtungen wie die TU Wien Bibliothek in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen wird. Übrigens ist die TU Wien Bibliothek auch in diesem Bereich – der EOSC – bereits im Rahmen eines H2020-Projekts aktiv und international vernetzt.

Das Projekt „e-Infrastructures Austria plus“ wurde in dieser Projektphase vom Zentralen Informatikdienst (ZID) der Universität Innsbruck in Zusammenarbeit mit der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol geleitet und durch den Vorsitzenden der Generalversammlung (Universitätsbibliothek Wien und ab 09/2019 TU Wien Bibliothek, Dr. Paolo Budroni) sowie die stellvertretende Vorsitzende der Generalversammlung (TU Wien Bibliothek, Mag. Beate Guba) geleitet bzw. koordiniert.

Forschungsdatenumfrage in Österreich: Auflistung der Ergebnisse aus Cluster B: https://e-infrastructures.univie.ac.at/das-projekt/deliverables/

Forschungsdatenumfrage in Italien: Results of BISA (Bibliosan per la Scienza Aperta) survey on open research data http://old.iss.it/binary/publ/cont/17_32_web.pdf

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