Lehre
Nr. 48

TU Wien und FH Technikum Wien starten gemeinsames Doktoratskolleg

Herbert Kreuzeder | PR und Marketing

Generalsekretär Jakob Calice, Rektorin Sabine Seidler, Rektor Fritz Schmöllebeck, Generalsekretär Christoph Neumayer
Foto: TU Wien/Matthias Heisler

Mit diesem Pilotprojekt zum Themenbereich „Resilient Embedded Systems” schaffen die beiden Hochschulen einen institutionellen Weg, um eine gemeinsame, qualitätsvolle Doktoratsausbildung umzusetzen und gemeinsam zu forschen.

Die TU Wien und die FH Technikum Wien starten mit Wintersemester 2018/19 erstmalig ein gemeinsames Doktoratskolleg:

  • International besetztes Programm zu „Resilient Embedded Systems”
  • Ausbildung von hoch qualifiziertem akademischem Nachwuchs
  • Grundlagenforschung und anwendungsorientierte Forschung schaffen Innovationen für Industrie 4.0, autonomes Fahren oder kritische Infrastrukturen

 

Die Ergebnisse des international besetzten Programms stehen auch Wirtschaft und Industrie zu Verfügung und schaffen somit einen direkten Technologietransfer für Industrie 4.0-Anwendungen, aber auch Bereiche wie autonomes Fahren, Verkehrsleitsysteme und die Digitalisierung von kritischen Infrastrukturen.

Innovation ist der Motor der unsere Gesellschaft voranbringen kann. Um den wissenschaftlichen Nachwuchs für diese kontinuierliche Entwicklung zu finden, muss man über den Tellerrand der eigenen Institution hinausblicken. Wir wollen mit diesem Pilotprojekt zeigen, wie ein strukturierter Zugang von der FH zum Doktoratsstudium organisiert werden kann. Der hohe Qualitätsanspruch setzt voraus, Partner mit entsprechenden Forschungskompetenzen zu identifizieren und die besten Studierenden unabhängig von Nationalität, Geschlecht oder System der Vorbildung zu finden”, erklärt Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien.

Mit dem gemeinsamen Doktoratskolleg ist es uns gelungen, eine eigene hochwertige wissenschaftliche Ausbildung getragen von einer Fachhochschule und einer Universität zu schaffen. Für uns ist es eine Bestätigung der jahrelangen Forschungsarbeit im Schwerpunkt Embedded Systems und zeigt hervorragend, dass Fachhochschulen und Universitäten, sofern die Rahmenbedingungen für eine längerfristige F&E-Arbeit gegeben sind, gemeinsam und auf Augenhöhe forschen können”, so Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum Wien, anlässlich des heutigen Pressegesprächs.

Zielsetzung und Umfang des Doktoratskollegs

„Resilient Embedded Systems” gehören zum Forschungszweig der „Cyber Physical Systems”, die das Herzstück von Industrie 4.0-Anwendungen bilden. Die insgesamt 20 Doktorant_innen werden die nächsten fünf Jahre je nach Schwerpunkt bzw. Zugehörigkeit der Betreuer_innen an der TU Wien oder der FH Technikum Wien arbeiten und mit ihren Dissertationen neue Erkenntnisse und Lösungsansätze für Industrie 4.0 und andere Gebiete der Digitalisierung entwickeln. Die Ergebnisse stehen auch Wirtschaft und Industrie zu Verfügung und schaffen somit einen direkten Technologietransfer.

Die Absolvent_innen sind bestens qualifiziert, anspruchsvolle Projekte beispielsweise in Raum- und Luftfahrt zu leiten, Unternehmen zu beraten bzw. in deren Forschungsdivisionen zu unterstützen oder auch selbst als Gründer_in zu fungieren. Natürlich bereitet das Doktoratskolleg auch auf eine weitere akademische Laufbahn vor.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) sieht das Programm als Asset für den Industrie- und Innovationsstandort Österreich. „Ausbildungen im Bereich der Industrie 4.0 sind von enormer Bedeutung für die heimische Industrie, insbesondere vor dem Hintergrund des bestehenden Engpasses von Hochqualifizierten im MINT-Bereich. Zuletzt konnte jede 6. MINT-Stelle nicht besetzt werden, in Summe waren das 1.900 Stellen im produzierenden Bereich. Wir sehen insbesondere in der expliziten internationalen Ausrichtung des Kollegs einen wichtigen Hebel, um Talente weltweit anzuziehen. Österreich braucht Wissenschafts- und Innovationsnachwuchs – in diesem Sinne zählen wir auf die Innovationskraft der jungen Forscherinnen und Forscher. Zudem ist uns der Transfer der Forschungsergebnisse in die Industrie wichtig.” so der IV-Generalsekretär. Aus Sicht der IV habe das Programm großes Potential, das Beste aus Universitäten und Fachhochschulen, den beiden Hochschulinstitutionen, in einem gemeinsamen Programm zu vereinen und Signalwirkung für künftige Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu entfachen.

Zentrale Forschungsfelder

In der Zusammenarbeit der TU Wien und der Fachhochschule Technikum Wien wird die gesamte Wertschöpfungskette in der Forschung von der Grundlagenforschung über anwendungsorientierte Forschung bis zur Entwicklung mit unterschiedlichen Schwerpunkten bedient.

Die Forschungsfelder im Rahmen des Doktoratskollegs werden beispielsweise die zuverlässige Kommunikation zwischen Systemkomponenten oder der Aufbau selbstheilender Hardware auf Basis asynchroner Logik sein. In anderen Arbeiten geht es um das Thema „Security”, insbesondere den Schutz von sicherheitskritischen Embedded Systems vor Manipulation oder Hacks. Auch die Verifikation eingebetteter Systeme im Bereich medizinischer Implantate wird in einer Dissertation behandelt, mit dem Ziel, für Patient_innen größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

International besetztes Programm zu „Resilient Embedded Systems”

In einer globalisierten Forschungslandschaft ist die internationale Ausrichtung ein wesentlicher Bestandteil. Im Doktoratskolleg werden pro Studienjahr vier bis sechs international angesehene Forscher_innen als Gastprofessor_innen eingeladen, die entsprechend ihrer Reputation und fachlichen Nähe zu den Dissertationsthemen ausgewählt werden. Die Lehrenden kommen beispielsweise aus Italien, USA, Belgien, Großbritannien, Brasilien, Israel oder Australien.
Selbstverständlich erfolgt auch die Suche nach den „besten Köpfen” für die Doktoratsstellen international.

Exzellenz und Innovation resultieren nicht zuletzt aus Kooperationen von Stärken und Synergien. Das gilt insbesondere für die Spitzenforschung. Deshalb hat das Doktoratskolleg von TU Wien und FH Technikum Wien Vorbildcharakter für weitere strukturierte Kooperationen zwischen Universitäten und Fachhochschulen. Es entspricht auch unserem Grundsatz, dass das Promotionsrecht den Unis vorbehalten bleibt, die Stärken der FH in der angewandten Forschung aber dennoch im Bereich des Doktorats Berücksichtigung finden„, fasst Jakob Calice, Generalsekretär im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung zusammen.

Zugangsvoraussetzungen für das Doktoratskolleg

Das Doktoratskolleg „Resilient Embedded Systems” ist als Anstellung von 30 Wochenstunden für 4 Jahre konzipiert. In zwei Kohorten, die im Oktober 2018 und 2019 starten, werden jeweils zehn Dissertant_innen aufgenommen. Die Bewerber_innen müssen sich schriftlich für das Doktoratskolleg bewerben. Im Rahmen eines mehrstufigen Auswahlverfahrens werden die Doktorant_innen schließlich vom Scientific Board nach einem Hearing ausgewählt und bestätigt.

Das erste Studienjahr dient als Einstiegsphase, in der eine gemeinsame Wissensbasis geschaffen wird. Danach starten die Doktorant_innen in ihre Forschungsarbeit, ergänzt durch Kurse bei Gastvortragenden und themenspezifische Vertiefungen. Zusätzlich bieten Lehrveranstaltungen Unterstützung in Bereichen wie Forschungs- und Karriereplanung, Wissenschaftsphilosophie oder Innovationsgrundlagen.

Generell ist die Ausbildung der Dissertantinnen und Dissertanten an unserer Fakultät im internationalen Vergleich auf höchstem Niveau, auch hinsichtlich der Ansprüche an die wissenschaftliche Qualität der Dissertationen und deren Sicherung. Diese Ansprüche gelten selbstverständlich auch für das neue Doktoratskolleg, wobei wir durch die Eingangsphase im ersten Jahr zusätzlich versuchen, allen unseren Dissertanten und Dissertant_innen die nötigen theoretischen aber auch fachspezifischen Grundlagen in diesem anspruchsvollen und vielfältigen Forschungsgebiet zu vermitteln. Unabhängig von der institutionellen Einbindung aufgrund der jeweiligen Betreuung gilt für alle Dissertantinnen und Dissertanten das gleiche strukturierte Curriculum, mit teils fixen und teils individuell entsprechend dem Dissertationsthema wählbaren Anteilen, und auch die wissenschaftliche Beurteilung der Dissertation folgt denselben, an unserer Fakultät bereits bewährten, Prozessen”, erklärt TU-Professor Andreas Steininger vom Fachbereich Embedded Computing Systems der TU Wien.

Alle Informationen zu Zugangsvoraussetzung sowie das Curriculum finden Sie online unter www.informatik.tuwien.ac.at/teaching/phdschool/ResilientEmbeddedSystems

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