Forschung
Nr. 45

CO2 muss nicht sein

Florian Aigner | Büro für Öffentlichkeitsarbeit

Biomasse-Anlage in Güssing

Windkraft ausbauen – eine der Maßnahmen für eine Reduktion unseres CO2-Ausstoßes.
© Martin Miltner | TU Wien

Dass die Menschheit jedes Jahr Milliarden Tonnen CO2 freisetzt, ist kein Naturgesetz. Es gäbe genug Ideen, unseren Lebensstandard auch mit anderen Methoden zu halten.

Der Klimawandel ist wohl eine der größten Bedrohungen, denen die Menschheit in diesem Jahrhundert ausgesetzt ist. Dass Der Mensch aufgrund des CO2-Ausstoßes für die globale Erwärmung verantwortlich ist, gilt mittlerweile als wissenschaftlich gesichertes Wissen. Auch dass Naturkatastrophen mit dem Klimawandel eng zusammenhängen, ist inzwischen klar – das haben unter anderem auch die Hochwasser-Untersuchungen von Prof. Günter Blöschl von der TU Wien gezeigt.

Ganz unterschiedliche Quellen liefern große Beiträge zum CO2-Ausstoß: Zu den Hauptverursachern gehören Industrie, produzierendes Gewerbe und der Verkehr, aber auch Raumwärme und Landwirtschaft sowie die Energiewirtschaft verursachen hohe Emissionen. Man kann das Problem also nur lösen, wenn man verschiedene Bereiche gleichzeitig reformiert. Das sollte aber kein Grund sein, das Vorhaben als aussichtlos abzutun, denn Ideen gibt es viele. Gerade die TU Wien leistet wichtige Beiträge, unsere Zukunft klimafreundlicher zu gestalten.

Studien sagen: es geht!

Vieles wäre aber auch schon mit den bestehenden Möglichkeiten machbar. Einen Großteil unserer CO2-Emissionen könnten wir durch verstärkte Nutzung bestehender Technologien wie Photovoltaik und Windenergie einsparen. „Die Speicherung von Energie wird oft als großes ungelöstes Problem der Energiewende dargestellt, weil Wind und Sonne nicht immer Energie liefern“, sagt Gerhard Totschnig vom der Energy Economics Group der TU Wien. „Die Simulation zeigt aber, dass dies nicht stimmt. Auch ohne Speicherausbau können die CO2 Emissionen in Österreich und Deutschland um 80% reduziert werden.“ Effiziente Gaskraftwerke erzeugen den Strom wenn es nicht genug erneuerbare gibt. Hilfreich dafür ist, dass man unterschiedliche Bereiche – Strom, Wärme und Elektromobilität – gut miteinander verknüpft und klug aufeinander abstimmt.

Speziell den Bereich der Wärmebereitstellung hat sich nun ein Forschungsteam der Energy Economics Group noch einmal genauer angesehen: Bis ins Jahr 2050, so das Ergebnis einer Studie, könnte man die Wärmewende schaffen und die Wärme österreichweit praktisch ohne CO2-Ausstoß erzeugen.

Es zeigt sich also deutlich: Den Klimawandel als unabwendbares Faktum hinzustellen, ist falsch. Wir haben die technischen Möglichkeiten in der Hand, den CO2-Ausstoß drastisch zu senken, und durch kluge Erfindungen bekommen wir Jahr für Jahr weitere Möglichkeiten in die Hand. Wichtig ist es, weiterzuforschen, und die neuen Ideen mit ein bisschen politischem Mut auch tatsächlich umzusetzen.

Biomasse und Mikroorganismen

Weltweit führend ist Österreich im Bereich der Biomasse-Verbrennungstechnik. In die Vorzeigeanlage in Güssing floss über viele Jahre Know-How der TU Wien ein, und am Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften werden ständig neue Ideen ausprobiert. Viele von ihnen basieren auf der sogenannten Zweibett-Wirbelschichttechnik. „Dabei wird der Verbrennungsprozess auf zwei Kammern aufgeteilt, sodass man Abgase von erwünschten Gasen, die sich noch weiterverwenden lassen, trennen kann“, erklärt Stefan Müller.

Derzeit läuft ein Forschungsprojekt mit dem Ziel, umweltfreundliche Treibstoffe aus erneuerbaren Energieträgern herzustellen.  Das ist wichtig, denn auch wenn die Elektromobilität an Bedeutung gewinnt, werden sich Verbrennungsmotoren gerade im LKW-Schwertransport oder auch bei Flugzeugen in absehbarer Zeit nicht ersetzen lassen. Die Kohlenwasserstoffe, aus denen Diesel und Kerosin bestehen, haben eine extrem hohe Energiedichte und sind daher ausgezeichnete Energieträger. Diese hohe Energiedichte in Form nachhaltig produzierter Bio-Treibstoffe nutzen zu können, wäre ein großer Fortschritt.

Vielversprechende Forschungsansätze zur Lösung des CO2-Problems gibt es an der Grenze zwischen Technik und Biologie: Kann es gelingen, Mikroorganismen so zu verändern, dass sie CO2 aus industriellen Abgasen aufnehmen und andere Substanzen daraus herstellen, die man dann vielleicht sogar mit Gewinn verkaufen kann? Prof. Christoph Herwig (ebenfalls Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften) hält das für realistisch: „Dafür ,müssen wir aber die komplizierte Kaskade an biochemischen Vorgängen, die beim Stoffwechsel dieser Mikroorganismen ablaufen, im Zusammenspiel mit der Prozesstechnologie genau verstehen. Genau daran arbeiten wir seit Jahren mit großem Erfolg.“

← Zurück zur Kategorie "Forschung"

Schreibe einen Kommentar