Lehre
Nr. 35

Bildung ist keine Einbahnstraße

Herbert Kreuzeder | Büro für Öffentlichkeitsarbeit

Matthias Hacksteiner, Günther Polanz, Gudrun Weinwurm, Walter Ehrlich-Schupita (v.l.n.r.)

Ideenpräsentation

„Umfassende Kompetenz vermitteln“ hat sich die TU Wien als Mission für ihre Lehre definiert. Wissenstransfer funktioniert aber nicht nur von der Universität in die Gesellschaft, auch „Zivilist_innen“ können Universitäten mit neuen Ideen versorgen. Aktuelles Beispiel: Das Ö1-Hörsaal-Projekt „human powered energy station“ von Günther Polanz.

Universitäten sind als Orte der Bildung und Forschung bekannt. Resultierende Innovationen sind unverzichtbare Bausteine für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt. Durch die Lehre wird das universitäre Wissen an die Zivilgesellschaft weitergegeben und der Grundstein für kommende Innovationen gelegt.

Wesentliche Ergänzung des akademischen Betriebs ist die Interaktion mit der Gesellschaft, in die die Universität eingebettet ist. Erfahrungen aus dem Alltag oder Thesen und Fragen zu aktuellen Themen von Bürger_innen können neue Impulse und Denkansätze für den universitären Betrieb bringen.

Interaktion mit der Gesellschaft, innovative Ansätze für Dialog und Wissenstransfer zwischen Universitäten und Zivilgesellschaft – das ist auch das Ziel des Ö1-Hörsaals. Gefragt ist ein Austausch von Ideen auf Augenhöhe, von dem Ideengeber_innen von außen, wie auch die Universitäten, profitieren können.

Im Falle der TU Wien heißt der Ideengeber Günther Polanz. Der Soziologe aus Graz reichte die human powered energy station ein. Der Projektansatz ist, dass man sich mancher Dinge am einfachsten bewusst wird, wenn man diese selbst ausprobiert oder selbst erlebt. Konkret wurde die Tonanlage einer Live-Band durch modifizierte Fahrräder mit Strom versorgt. Hier wurde direkt spürbar was 100 W Lichtstrom an Muskelkraft bedürfen.

Daraus entstand die Idee für einen Prototyp, der einerseits möglichst effizient Strom erzeugt, andererseits durch das Anschließen verschiedener Verbraucher den notwendigen Energieaufwand für die Tester_innen erlebbar macht. Das Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch bzw. die Identifikation von Stromfressern in den eigenen vier Wänden stehen für Günther Polanz im Vordergrund:

Niemand kommt auf die Idee, das Wasser nach dem Duschen laufen zu lassen, Licht brennt aber auch in Räumen, die man nicht benutzt. Strom ist eben nicht fassbar.

Dass auch technische Laien ihre Ideen umsetzen können, bewies Polanz mit Freund_innen bei der „human powered energy station“, wo der benötigte Strom für eine Band mittels Radgeneratoren erzeugt wurde. Die Effizienzsteigerung dieses ersten „selbstgezimmerten“ Prototypens steht als nächste Entwicklungsstufe auf dem Programm. Um dies auch umzusetzen, unterstützt die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik mit Know-how. Als Koordinator fungiert Vizedekan Walter Ehrlich-Schupita.

Am 11. Juni wurde das Thema Energieeffizienz und Awareness im Rahmen der Projektpräsentation diskutiert. Am Podium waren neben dem Projekteinreicher auch Walter Ehrlich-Schupita (Elektrotechnik und Informationstechnik) und Matthias Hacksteiner (Maschinenbau) vertreten, die Moderation übernahm Gudrun Weinwurm, Leiterin des Forschungszentrums Energie und Umwelt.

Die grundlegende Idee, Bewusstsein für den eigenen Stromverbrauch zu schaffen, ist auch an der TU Wien nicht neu, der ungewöhnliche Ansatz, Menschen durch den Einsatz eigener Muskelkraft Energie fühlen zu lassen, kam gut an.

Komplexe Themen benötigen einen niederschwelligen Ansatz, um auch breite Aufmerksamkeit zu bekommen…

…ist sich Gudrun Weinwurm sicher. „Die eine Lösung auf dem Weg zu Energieeffizienz und bewusstem Ressourceneinsatz gibt es leider nicht. Es ist die Kombination aus vielen kleinen Einzelmaßnahmen, die den Unterschied macht,“ ergänzt Walter Ehrlich-Schupita.

Die Bandbreite der TU-Forschungsbereiche und deren Einsatzmöglichkeiten im Alltag, Wege um vorhandenes Wissen auch für Verhaltensänderungen zu nutzen bis hin zum größenskalierten industriellen Einsatz waren Themen des Podiums.

Fazit: Nur gemeinsam durch die Kombination vieler Einzelmaßnahmen wird man den Gesamtenergieverbrauch senken können. Voraussetzung ist ein kollektives Bewusstsein für Nachhaltigkeit und dem Ressourcenverbrauch. Technische Innovationen können einen wesentlichen Beitrag auf diesem Weg leisten, Ideen wie die human powered energy station machen abstrakte Gebiete begreifbar.

Open Innovation an österreichischen Universitäten

Der Ö1 Hörsaal ist eine Kooperation von uniko, Ö1 Wissenschaft und Innovation Service Network (ISN). Im Jänner 2015 hat eine Jury mit Vertreter_innen der 12 teilnehmenden Universitäten ihre Auswahl aus allen Einreichungen getroffen. Im Sommersemester 2015 fanden die Präsentationen an den Universitäten statt. Ein Preisgeld in der Höhe von 800 Euro wurde pro Projekt vergeben. Eine Zusammenfassung wird im Herbst im Ö1-Radiokolleg ausgesendet.

Partneruniversitäten:

  • Akademie der bildenden Künste Wien
  • Alpen Adria Universität
  • Medizinische Universität Graz
  • Medizinische Universität Innsbruck
  • TU Graz
  • TU Wien
  • Universität für angewandte Kunst
  • Universität für Bodenkultur
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
  • Universität Graz
  • Universität Innsbruck
  • Universität Salzburg


Webtipp:
http://oe1.orf.at/hoersaal

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