Menschen
Nr. 44

Australien – einfach anders

Prof. Eugenijus Kaniusas | Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering

Krokodile in der Luft

Leichter Wirbel kreist auf der Wasseroberfläche des Flusses Adelaide während einige wenige Luftbläschen aufsteigen. Plötzlich wölbt und hebt sich die nun glattgestrichene Oberfläche während eine beulige Schnauze des Salzwasserkrokodils in die Höhe schnellt. Einen Wimperschlag später entblößt er seinen mächtigen Körper, nur noch sein Schwanz bleibt im Wasser. Das Krokodil hängt senkrecht in der Luft. Sichtlich durchläuft eine elastische Welle der Anspannung seinen Körper, um ihn aufrecht zu erhalten.

Trotz des wahrlich erschlagenden Eindrucks, sind die Eleganz und die jahrelange (Überlebens-) Übung des Sprunges nicht zu verkennen. Das Krokodil scheint den Sprung perfekt zu beherrschen. Wie wenn ein Profitänzer aus dem Stand sich in die Luft hebt. Dieser Sekundenbruchteil ist entscheidend für die vielen Vögel, Kängurus, Pferde und sogar Bullen, die in seine überraschende Sprung- bzw. Luftlinie bis zu 3m (!) über der Wasseroberfläche fallen. In meiner Armesreichweite, öffnet er seine riesige Schnauze und klappt sie wieder mit mächtiger Wucht und lautem Knall zusammen. Der Knall flößt uns allen Beobachtern den restlichen und endgültigen Respekt ein, gefolgt von besinnender Gedankenstille. Was oder wer zwischen seine Stoßzähne kommt, bleibt dort unweigerlich verriegelt. Die Kiefer des Salzwasserkrokodils schließen wie Schloss und Riegel (im Gegensatz zu Alligator dessen Kiefer nicht verriegeln). Der Biss des Salzwasserkrokodils ist stärker als jener der Dinosaurier und kann sogar Schildkrötenpanzer knacken.

Überraschend langsam und kontrolliert senkt sich sein rundlicher Körper zurück ins trübe Flusswasser mit seiner Beute fest im Maul – als ob sich der besagte Tänzer sachte zurück zum vernebelten Boden senke. Das Krokodil schwimmt nun lässig zurück ans Ufer, um seine Beute zu verschlingen. Überraschenderweise tut er sich schwer beim Essen im Wasser, da er auch ertrinken kann.

Es ist die australische Wildnis, hier und jetzt direkt vor unseren Augen, keine Naturdokumentation oder gar ein Roman erzählt aus einer sicheren Distanz. Das Salzwasserkrokodil ist der unumstrittene König der Savanne. Während die meisten Tiere flüchten wenn sie ein unbekanntes Geräusch hören, schwimmen Salzwasserkrokodile zur Geräuschquelle hin um nachzuschauen.

Die Flora und Fauna rund um die krokodilbelagerten Teiche ist höchst mannigfaltig und quietschlebendig. Es wäre müßig zu versuchen es nur annähernd vollständig zu schildern, erwähnt seien kräftige Bullen, wilde schlanke Pferde, schwarze Wildschweine, gaffende Kängurus, von den Ästen herabhängende grünliche Schlangen, stolze Emus mit wackelnden Hälsen und umherschwirrende Seeadler in unserer Sichtweite aus dem Boot am Yellow River. Und wieviel mehr versteckt sich noch vor unseren Blicken? Die Gegend im berühmten Kakadu Nationalpark war und ist eine unumstrittene Wiege der Natur.

Ruhe im Berg

Die Majestät des heiligen Uluru-Berges – mitten in der flachen australischen Wüste – winkt uns bereits aus der Ferne entgegen. In seiner Nähe, überrascht uns seine tatsächliche Größe. Der Berg weist eine bemerkenswerte Gestalt auf, ist durch die Winde abgerundet und durch das nicht mehr vorhandene Wasser zerfurcht. Eine solide Ruhe, die er in der winterlichen Hitze ausstrahlt, kann man förmlich bei jedem Hinschauen spüren.

Die Funktionalität der vielen Zugänge zum und in den Berg ist wahrlich erwähnenswert – von der Kinderschule über den Ratsbereich bis hin zum essentiellen Wasserloch am Rande des Berges, überlebenswichtig für Tier und Mensch. Übrigens, ein einzelner wie auch zwei Kängurus wurden niemals am Wasserloch durch Aborigines gejagt, erst ab drei Rudeltieren wurde das letzte erlegt. So gibt es in der Sprache der Aborigines die Zahlen „eins“, „zwei“, „drei“ und „viel“. Wie die Ruhe am Berg, so lässt sich auch die Aborigines-Führerin nicht drängen, sie erzählt uns einige wenige Dinge, dafür aber authentisch und mit einem unverkennbaren Respekt vor Ihrem persönlichen Uluru-Berg.

Opalfieber

Es ist bereits spät nachmittags und wir haben bisher nur ein karges Frühstück verinnerlicht. Wir sind auf dem Weg zu unserem unterirdischen Schlafplatz mitten im Berg. Die Wüstenhitze und Hunger machen uns langsam zu schaffen. Nicht aber in der kommenden Stunde, in der wir völlig unerwartet nach Opalen auf einem naheliegenden Hügel suchen dürfen. Es ist die Wüstenstadt Coober Pedy, die Gegend mit dem weltweit größten Opalvorkommen der Welt.

Wie die emsigen Goldgräber graben wir mit bloßen Händen und hoffen auf Opale, nachdem uns der Herr des Hügels – ein ehrwürdiger und ortbekannter Opalminenarbeiter, wie wir später erfahren werden –  freundlichst und detailliert die Suche nach Opalen erklärt und selber ein Paar weiße Opalkristalle in der Korngröße auf der Stelle gefunden hat. Wir dürfen die gefundenen Steine sogar mitnehmen, wenn die nicht allzu groß sind. Ab einer bestimmten Größe wird der Ertrag 1:1 geteilt, schmunzelt der Herr.

Bald habe ich eine ganze Handvoll Opale, manche Stücke so groß wie der Daumen. Voller Stolz und mit pochendem Herz – und zugegebenermaßen mit doch sehr hohen Reisekosten im Hinterkopf – präsentiere ich meinen Fund dem Experten. Leider, leider. Der farbige Glanz fehlt, der diese Steine erst recht kostbar macht. Ansonsten wären wir beide schon sehr reich, lächelt unser Herr entgegen. Zumindest eine Chance hat er mir geboten, fügt er unumwunden hinzu. Zum Abschied gestehe ich ihm dass er uns bereits sehr reich gemacht hat, durch diese wirklich einzigartige und ehrliche Erfahrung.

Die Reise erstreckte sich von Cairns, über Darwin, Alice Springs, Adelaide, Melbourne bis nach Sydney. Vier Autos wurden für mehr als 6000km (ver)gebraucht (incl. 4WD), ein Zelt für die Wüste und viele Mahlzeiten ausgelassen…

Fotos: © Eugenijus Kaniusas

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