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Nr. 42

Anekdota: Josef Frank – ein Neuerer mit klassischer Ausbildung

Paulus Ebner | Universitätsarchiv

Vor 50 Jahren verstarb mit Josef Frank einer der bedeutendsten Architekten und Designer, die ihre Ausbildung an der Technischen Hochschule (TH) in Wien erfahren haben. Auch nach seinem Tod wird Frank ständig von neuen Generationen wiederentdeckt, so zum Beispiel 2015/16 in einer großen und vielbeachteten Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Wien.

Frank wurde 1885 in Baden bei Wien geboren und studierte ab 1903 an der Bauschule (später Fakultät für Architektur) der TH in Wien. 1908 legte er die II. Staatsprüfung ab. Doch damit war seine Ausbildung nicht beendet. Er nutzte die erst seit 1901 bestehende Möglichkeit, an der TH in Wien auch einen Doktortitel (Dr. techn.) zu erwerben. Seine 1910 abgeschlossene Dissertation „Über die ursprüngliche Gestalt der kirchlichen Bauten des Leone Battista Alberti“ ist dabei nicht nur von inhaltlichem Interesse. Die 20 aquarellierten Zeichnungen, die Frank von den Sakralbauten in Florenz, Mantua, Rimini und Fano angefertigt und als Beilagen zur Dissertation abgegeben hat, sind von großer Schönheit und werden regelmäßig auch in internationalen Ausstellungen gezeigt, unter anderem in New York, Florenz und Stockholm.

Nach seiner Promotion nahm Frank wichtige Positionen in der österreichischen Architekturszene ein: Zunächst als Architekt in einer Bürogemeinschaft mit seinen Studienkollegen Oskar Wlach und Oskar Strnad, dann ab 1919 als Professor für Baukonstruktionslehre an der Kunstgewerbeschule (heute Universität für Angewandte Kunst) und schließlich als Mitinitiator des Einrichtungshauses „Haus und Garten“.

Bald nach dem Abschluss der von ihm als künstlerischem Leiter betreuten Arbeiten an der Werkbundsiedlung (1932) war dem Juden und Sozialisten Frank klar, dass er Österreich verlassen müsse. Deshalb wanderte er, der bereits seit den 1920er Jahren eine Vielzahl von internationalen Kontakten geknüpft hatte, 1934 nach Schweden aus, wo er zum führenden Designer der Firma „Svenskt Tenn“ wurde. Fallweise war Frank aber auch noch in Österreich tätig.

Mit dem „Anschluß“ 1938 waren die losen Verbindungen zu Österreich endgültig abgerissen: 1939 erhielt Frank die schwedische Staatsbürgerschaft, in den 1940er Jahren lebte er überwiegend in New York, wo er auch unterrichtete. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Frank nach Stockholm zurück, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte.

Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde er 1965 in Wien mit dem „Großen Österreichischen Staatspreis für Architektur“ und einer Ausstellung in der „Österreichischen Gesellschaft für Architektur“ geehrt. Mit seiner Ausbildungsstätte, der TH Wien, gab es nach aktuellem Wissensstand nach 1945 aber keinen Kontakt. Das ist umso erstaunlicher, als Franks Ausbildung an der hiesigen Bauschule als Basis für sein gesamtes künstlerisches Leben gilt.

Aktuell findet in Stockholm eine große Ausstellung zu Franks Ehren statt, die an die Wiener Ausstellung von 2015/16 anknüpft und wie diese den Titel „Against Design“ trägt.

42_anekdota_Frank_Meldungdbuch

Meldungsbuch von Josef Frank, ausgestellt zu Beginn seines Studiums (1903)
© Universitätsarchiv der TU Wien

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