Campus
Nr. 37

Anekdota: Boecklsaal und Boeckl-Fries im Hauptgebäude am Karlsplatz

Paulus Ebner | Universitätsarchiv

„Die Welt und der Mensch“- das Boeckl-Fries in der TU Wien

Vor 50 Jahren, am 20. Jänner 1966, starb der Maler Herbert Boeckl.

Boeckl war und ist der TU in Wien zweifach verbunden: Einerseits studierte er an der hiesigen Bauschule von 1912 bis 1918 Architektur, andererseits befindet sich sein Werk „Die Welt und der Mensch“ (aus den Jahren 1956 bis 1958) seit 1977 im Hauptgebäude der TU Wien. Sein Schöpfer wurde damit auch zum Namensgeber für einen der wichtigsten Veranstaltungsorte unserer Universität.

Da Boeckls Vita seitens der TU Wien erst vor Kurzem gewürdigt wurde (Nachlese), soll hier auf den Boeckl-Fries und den Boeckl-Saal eingegangen werden.

Nach dem UOG 1975 sollte der bisherige Kollegiums-Sitzungssaal für den nun wesentlich vergrößerten Senat und die anderen neu geschaffenen Kollegialorgane adaptiert werden. In diesem Zusammenhang äußerte der damalige Rektor, der renommierte Architekt Prof. Ernst Hiesmayr, 1976 den Wunsch, die Längsfront mit „einer aus dem Nachlaß von Professor Herbert Boeckl stammenden Collage“ zu gestalten. Dieser Plan wurde vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (auch finanziell) unterstützt und so konnte das Kunstwerk für die TU Wien erworben werden.

Am 25. April 1977 wurde die restaurierte Entwurfscollage in Anwesenheit von Bundesministerin Hertha Firnberg der TU Wien feierlich übergeben. Rektor Hiesmayr betonte in seiner Festansprache, dass er sich als Architekt dazu verpflichtet fühle, „auch dem Haupthaus wieder ein entsprechendes Ansehen zu verleihen“. Er verwies auf seine persönlichen Kontakte mit Herbert Boeckl und bezeichnete ihn – neben Fritz Wotruba – als den österreichischen Künstler von europäischem Rang.

Der Boeckl-Fries ist 12 m lang und 2,5 m hoch und deckt damit fast die gesamte Längsseite des Senats-Sitzungssaales ab. Der Fries stellte die Vorlage für den ausgearbeiteten Gobelin „Die Welt und der Mensch“ dar, den Boeckl im Auftrag von Roland Rainer für die Präsidentenloge der Wiener Stadthalle anfertigte. Die Arbeiten am Gobelin nahmen fast vier Jahre (1954-1957) in Anspruch (Näheres zur Entstehungsgeschichte). Das Bildprogramm des Kunstwerks ist gegliedert durch sechs Lebens- bzw. Schicksalsräder, die darum gruppierten Menschen, Tiere oder Fabelwesen symbolisieren unterschiedliche Möglichkeiten des Scheiterns oder Gelingens menschlicher Existenz.

Anhand dieser eindrucksvollen künstlerischen Leistung sollte man aber auch daran erinnern, dass viele TH- bzw. TU-Dropouts in anderen Bereichen bedeutsame Leistungen vollbracht haben. Neben Boeckl, der sein Studium nach Ablegung der I. Staatsprüfung beendet hatte, seien hier die Schriftsteller Hermann Broch und Arthur Koestler oder der Maler Alfons Walde, dessen Geburtstag sich heuer zum 125. Mal jährt, erwähnt.

Schreibe einen Kommentar