Lehre
Nr. 46

600 Ideen – START-TU – Zwei Jahre danach

Kurt Matyas | Vizerektor für Studium und Lehre

Zwischenfazit des Vizerektors für Studium und Lehre, Kurt Matyas:

Meine Intention im Herbst 2015 war, dass es doch möglich sein müsste, bestmögliche Bedingungen für Studierende und Lehrende unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn trotz vieler Maßnahmen davor war es noch nicht gelungen, grobe Fehleinschätzungen der Studierenden was Inhalte und Schwierigkeitsgrade der Studien anbelangt, zu verhindern. Folgen davon waren ein hoher Betreuungsaufwand in den ersten Semestern und viele späte Studienabbrüche.

Inspiriert vom Visionsprozess 2025+ rief ich den Start-TU Prozess ins Leben weil es mir als Vizerektor für Studium und Lehre ein Anliegen ist, allen TU Angehörigen eine Plattform für ihre Ideen zu bieten.

Gesagt, getan, am 7. Oktober 2015 war es soweit. Der Kreativprozess war ins Leben gerufen. Über 80 Studierende und Lehrende verbrachten einen Vormittag damit, in sieben moderierten Gruppen, ihre Visionen und Ideen einzubringen.

Fächerübergreifend diskutierten Studierende, Professor_innen, wissenschaftliche und auch administrative Mitarbeiter_innen zu Themen wie Studienstart, Erwartungshaltung von (neuen) Studierenden, Feedbackformen, Feedbackmöglichkeiten, Mentoring, Studienaufwand, Stellenwert der Lehre (aus Lehrenden- und Studierendensicht) und vieles mehr.

 

600 gesammelte Ideen wurden nach Themenbereichen aufgegliedert, daraus entstanden 4 thematische Arbeitsgruppen

  1. Vorabinformation der (potenziellen) Studierenden
  2. Mentoring und Selbstreflexion
  3. Studienbeginn und STEOP
  4. Didaktik

 

In einem dreimonatigen moderierten Prozess mit über 100 Personen wurden in diesen 4 Arbeitsgruppen in über 1500 Arbeitsstunden die Ideen priorisiert und im Detail ausgearbeitet.

Schlussendlich beriet eine Konsolidierungsgruppe im Februar 2016 darüber, welche ersten Ideen im Rahmen von Projekten realisiert werden können. Am 29. Februar 2016 fand der erste Teil des START-TU Kreativprozesses in einer Informationsveranstaltung seinen Abschluss.

 

Bis jetzt umgesetzte oder im Prozess befindliche Ideen sind:

  • Neuer Musterstudienplan und neue STEOPs
    • Die größte Arbeitsgruppe mit den intensivsten Diskussionen war jene, die sich mit der STEOP beschäftigt hat. Die daraus generierten Ideen sind in den Leitfaden zur Studienplanerstellung und in weiterer Folge dann auch in die neu erstellten Studienpläne eingeflossen, die seit 1.10.2017 gültig sind.
    • Technik für Menschen: Dem Mission Statement folgend ist jetzt im Leitfaden zur Studienplanerstellung auch verankert, dass in den Bachelorstudien Lehrveranstaltungen mit Inhalten wie beispielweise Technikfolgenabschätzung, Wissenschaftsethik, Gender Mainstreaming und Diversity Management absolviert werden. Im Rahmen dieser Lehrveranstaltungen sollen Absolvent_innen darauf vorbereitet werden, Verantwortung zu übernehmen und als kritische Mitglieder der Gesellschaft eine konstruktive Rolle zu spielen.
  • Ausbau von Self Assessments und Ausweitung auf alle Studienrichtungen (derzeit in Bearbeitung)
  • MINT-MOOCS (Massive Open Online Courses) werden in Schulen angeboten, um das Interesse für Technik zu wecken
  • Mentoring-Programm für alle Studienrichtungen (für Erstsemestrige und Wiedereinsteiger_innen) seit WS 2017/18. Hierbei begleiten ältere Studierende (Mentor_innen) jüngere Studierende (Mentees) während eines Semesters und geben deren Erfahrungen weiter
  • Ausbau der Brückenkurse im Bereich Mathematik: die stark nachgefragten AK Math Kurse wurden ausgebaut und im SS 2018 auch erstmals für Quereinsteiger_innen angeboten
  • Ausbau des hochschuldidaktischen Unterstützungsangebots für Lehrende um diese bei der Ausübung der Lehrtätigkeit und Studierendenbetreuung, durch Weiterbildung und Beratung zu unterstützen. Dabei gibt es zusätzlich zu den bewährten Formaten neue Angebote wie z. B.:
    • Unterstützung der Studienkommissionen im Hinblick auf die neuen, lernergebnisorientierten Studienpläne
    • Didaktische Basisqualifizierung für neue Lehrende im ersten Jahr
    • Neu eingeführt wurde im SS 2018 auch die individuelle hochschuldidaktische Fachberatung um Lehrende zielorientiert und individuell unterstützen zu können.
  • Vergabe von Best Teaching Awards um den Stellenwert der Lehre zu erhöhen und positives Feedback einzuholen und besondere Leistungen im Bereich der Lehre vor den Vorhang zu holen (wurde erstmals 2017 vergeben)

 

Das Spannende beim gesamten Start-TU Prozess war, dass in allen Gruppen weit über die Arbeitsthemen hinaus diskutiert wurde und ein Dialog entstand, der mich überrascht und inspiriert hat. Wenn es uns möglich ist, in Zukunft genauso einen Gedankenaustausch über die Grenzen der Fakultäten und Hierarchien hinaus zu etablieren, so ist es nicht nur für das Arbeitsklima an der TU von Vorteil, sondern ich sehe darin auch eine Chance, an unserer TU Wien die eingangs erwähnten Visionen bestmöglich zu verwirklichen.

Ohne den Einsatz all derer, die bei diesem Prozess mitgearbeitet haben, wäre dieser – wie ich meine – sehr beachtliche Output nicht möglich gewesen, vielen Dank!

 

Ich freue mich, den Start-TU Prozess „Reloaded“ im Herbst 2018 mit möglichst vielen Interessierten fortzusetzen und weiterentwickeln zu können.

Details zum Start-TU Prozess finden Sie unter http://start-tu.tuwien.ac.at/.

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