Campus
Nr. 34

Sprachliche Geschlechtsumwandlung

Brigitte Ratzer | Abteilung Genderkompetenz
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Liebe Kollegen, Liebe Kolleginnen und Kollegen, immer wieder taucht die Frage auf, welche Grundsätze zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch eigentlich auf der TU Wien gelten. Während einige davon ausgehen, dass gendersensible Sprache heute für jeden selbstverständlich ist, sehen andere dies als unnötige Erschwernis beim Lesen und Schreiben von Texten. Denn die konsequente Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache ist schwerer, als man glaubt oft angenommen.

Zunächst einmal: Ja, wir haben eine einheitliche Regelung, die in der Satzung steht. Genauer: § 11 des Frauenförderungsplanes ist die geltende Richtlinie für alle TU-Mitarbeiter die TU-Belegschaft. Sie sieht vor, dass „entweder explizit die weibliche und männliche Form oder geschlechterneutrale Bezeichnungen verwendet [werden].“ Und es gibt ein explizites Verbot, eine Generalklausel zu verwenden, also „zu Beginn oder am Ende eines Textes festzuhalten, dass die gewählten personenbezogenen Bezeichnungen für beide Geschlechter gelten.“ Warum hat man das verboten das so ist?

Manch einer vertritt Oft wird der Standpunkt vertreten, dass im Deutschen Frauen sehr wohl mitgemeint seien, wenn z.B. von „Assistenten“ oder „Physikern“ gesprochen wird. Ergebnisse der Neurowissenschaften zeigen jedoch, dass dem nicht so ist. Konkret wurde untersucht (Details), welche Auswirkungen es hat, wenn die Klischeevorstellung, die Versuchsteilnehmer Versuchspersonen von einer Berufsbezeichnung wie “Doktor” oder “Krankenschwester” hatten, nicht bestätigt wurde. Es zeigt sich eine ausgeprägte Spannungsreaktion im EEG, wenn die Geschlechtsrollenerwartung für eine Berufsbezeichnung nicht erfüllt wird. Das Gehirn muss den Satz demnach dann noch einmal neu analysieren, wenn sich herausstellt, dass “der Doktor” weiblichen Geschlechts ist oder „die Krankenschwester“ männlich.

Daraus muss man schließen muss geschlossen werden, dass im allgemeinen Verständnis bei männlichen Berufsbezeichnungen Frauen nicht automatisch mitgemeint, sondern ausgeblendet werden. Geschlechtergerechte Sprache ist daher nicht nur eine politische Willensbekundung zur Sichtbarmachung der Leistungen unserer Mitarbeiterinnen und Studentinnen, sondern schlicht auch eine Möglichkeit, sich korrekt auszudrücken und Klarheit zu schaffen.

Zum Abschluss noch mein Lieblingssprachwitz: Sitzen zwei Homosexuelle im Flugzeug. Sagt die eine zur anderen: „Bestimmt haben sich jetzt alle zwei Schwule vorgestellt.” Antwortet die Copilotin: „Und sicher halten sie uns für Passagiere.”

Wie stellte schon Ludwig Wittgenstein fest: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“

Bild: © Marion Heidemann-Grimm | Pixelio.de

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1 Kommentar

  • Alexander Polansky sagt:

    Chapeau!
    Ein treffender Artikel, und mit den Beispielen auch richtig anschaulich.
    Ich muss gestehen, dass ich den Sprachwitz am Ende erst dreimal lesen musste, bis ich ihn vollständig erfasst habe.

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